Kobalterzgewinnung
im Siegerland

Markus Henrich, Kirchen

Kobalt - die graue Eminenz

1767 in der Grube Storch: Erstmalig stießen Siegerländer Bergleute auf ein unscheinbares graues Erz im dichten Quarz - Kobalterz. Aus diesem Material, das man im Erzgebirge schon im 16. und 17. Jahrhundert zu verwerten wusste und das im Siegerland bislang offensichtlich nicht erkannt worden war, erzeugte man blaue Farbe zur Einfärbung von Gläsern und Keramiken - ein Luxusprodukt der damaligen Zeit. Entsprechend hoch war der Wert dieses Erzes.

Der Fund in der Gosenbacher Zeche war der Auftakt zu einem wahren „Kobalt-Boom“ im Siegerland. „Es ist unglaublich, mit welchem Eifer dieses neu aufgefundene Mineral […] gesucht wurde“, schrieb CRAMER (1805) und berichtete weiter, dass allein in der Grafschaft Sayn-Altenkirchen in einem Monat bis zu fünfzig Schürf- und Muthscheine auf Kobalt erteilt worden waren. Das Siegerland stieg zum zweitgrößten Kobalterzlieferanten in Deutschland hinter dem Erzgebirge auf. Doch schon um die Jahrhundertwende hatte der Höhenflug bereits wieder etwas nachgelassen - einerseits, weil die wenigsten Aufschlüsse von Erfolg gekrönt waren, andererseits aber auch, weil der Absatz des Luxusguts Kobaltblau ins Stocken geraten war.

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Quarz als Gangausbiss im Bereich der ehemaligen Kobaltgrube Laura II bei Steineroth.

Das Kobalterz war immer in Quarz eingewachsen.

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Im Bereich der ehemahligen Kobaltgrube Laura II bei Steineroth liegen heute noch zahlreiche große Quartzbrocken im Wald. Bildbreite: ca. 1,50 m.

Die meisten der auf Kobalt betriebenen Zechen reihten sich entlang des Siegtales auf, im Norden angefangen mit der Grube Philippshoffnung bei Siegen über Niederschelden (Gruben Junkernburg und Alte Buntekuh), Brachbach (Gruben Buhlenkamp und Freundschaft), Kirchen (Grube Alexander) bis nach Alsdorf und Scheuerfeld (Gruben Laura II, Dalln und Kupferkaute) im Süden. Auf den Hauptgangzügen fanden sich bauwürdige Vorkommen nur in quarzreichen Gangzonen oder in den Nebengängen (z.B. Grüner Löwe, Storch und Hamberg bei Gosenbach, Grüner Jäger, Alter und Junger Wilderbär bei Eiserfeld, Morgenröthe bei Eisern, Ende bei Neunkirchen). In der Grube Geyersecke bei Birken zeigte sich im Wissener Raum die südwestlichste abbauwürdige Lagerstätte.

Vielfach brachen die Kobalterze nur nesterweise, und schon bald bestanden ganze Gangspalten aus taubem Quarz. Viele Gruben kamen nach kurzen Betriebszeiten wieder zum Erliegen. Die wenigen, gut laufenden Kobaltgruben hingegen waren zu jener Zeit kleine, aber relativ wohlhabende Betriebe.

Denn der Wert der Kobalterze übertraf den Wert aller anderen im Siegerland geförderten Metalle deutlich. Jedoch schwankten die Preise sowohl aufgrund wechselnder Nachfrage als auch in Abhängigkeit von der Qualität zwischen 6 und 40 Gulden pro Zentner; hohe Preise waren selten.

Im gesamten Siegerland wurden in den Jahren 1767 bis 1802 rund 16.795 Zentner Kobalterz für mindestens 73.807 Gulden verkauft. Große Ausbeute hatten dabei die Gruben Alter und Junger Wilderbär sowie Grüner Jäger bei Eiserfeld, Alte Buntekuh und Junkernburg in Niederschelden, Alter Alexander bei Kirchen sowie Grüner Löwe und Storch in Gosenbach. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die Kobaltproduktion im Siegerland eine zweite Blüteperiode. Nun waren vor allem die Gruben Philippshoffnung bei Siegen und Alte Buntekuh die Säulen der Kobaltförderung.

Auch die Gruben Ende bei Neunkirchen und Morgenröthe bei Eisern lieferten zeitweise bedeutende Mengen.

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Alloklas als graues silbrigglänzendes Kobalterz neben hübschen Quarzkristallen.

Fundort: Grube Dalln, Scheuerfeld. Bildbreite: 4,2 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

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Alloklas in Quarz. Fundort: Grube Oberer Enter Stollen, Struthütten. Bildbreite: 9,5 mm.

Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Doch ebenso schnell wie der Aufschwung kam auch bald der Niedergang der Kobaltgruben.

Mit der Erfindung des künstlichen Ultramarins, entwickelt in Nürnberg und Wermelskirchen, verlor Kobalt seine Bedeutung als blauer Farbstoff und die Erlöse sanken rapide. Die Kobaltproduktion war folglich nicht mehr rentabel - auch weil die Gewinnungskosten aufgrund der harten Quarzgangart sehr hoch waren. Bis 1858 waren alle auf Kobalt betriebenen Gruben ganz zum Erliegen gekommen, nur noch bei besonders reichen Anbrüchen in einigen Eisensteingruben wie Alte Dreisbach bei Niederschelden, Eiserner Union bei Eisern und Grüner Löwe wurden in der Folgezeit Kobalterze an verschiedene Blaufarbenwerke abgesetzt. Insgesamt sind nach FENCHEL et al. (1985) im Siegerland Kobalterze im Wert von rund 1,3 Mill. Mark verkauft worden.

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Alloklas in Quarz. Fundort: Grube Sophie, Gosenbach. Bildbreite: 3,5 mm.

Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

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Alloklas in Quarz. Fundort: Grube Prinz Friedrich, Obersdorf. Bildbreite: 6,5 mm.

Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Erythrin ( Kobaltblüte ) und Asbolan ( Erdkobalt )

als sekundäre Bildung des Kobalterzes

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Erythrin neben schwarzen Asbolan auf Quarz. Fundort: Grube Philippshoffnung, Siegen.

Bildbreite: 15 mm. Sammlung: Horst Geuer, Königswinter.

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Erythrin in Siderit. Fundort: Grube Eiserner Union, Eisern. Bildbreite: 0,8 mm.

Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

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Erythrin und Asbolan. Fundort: Grube Grüner Löwe, Gosenbach. Bildbreite: 4,5 mm.

Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Erythrin Asbolan Fischbacher Werk BB 2 mm Reinhardt 20-10-57 ReinhardtMatthias Reinhardt.j

Erythrin neben schwarz kugeligen Asbolan. Fundort: Grube Fischbacher Werk, Niederfischbach. Bildbreite: 2 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.