Grube Georg, Willroth

Grube Georg im Jahr 1903.

Im Vordergrund: Rostöfen und Verladeanlage.

Alle Bilder aus dem Bildarchiv: Jürgen Kalscheid, Willroth

Die Geschichte des Willrother Bergbaus ist seit dem 14. Jahrhundert belegt. 1338 wurde Eisenerzbergbau im Horhausener Bereich erstmal Urkundlich erwähnt. Bis 1771 wurde er merheitlich durch Eigenlöhner betrieben.

Ab 1771 übernahm der Kurtrierische Staat die Horhausener Gruben, um mit deren Erzen die Sayner Hütte zu versorgen. Zwischen 1803 und 1815 gehörten die Gruben und die Sayner Hütte dem Grafen von Nassau-Weilburg. Erst danach kehrte ein regelmäßigerer Betrieb ein, da die Gruben und Sayner Hütte an Preußen hingen. Schon Im Jahr 1811 wurde auf Grube Georg ein Erbstollen angelegt, der „Tiefe Sankt Georgsstollen“. Der Stollen erreichte nach elf Jahren Bauzeit eine Länge von 533 m bei einer Teufe von 73 m. Mit dem Kauf der Horhausener Eisenerzgruben durch Alfred Krupp im Jahr 1865 begann eine beschleunigte Technisierung des Bergbaus. Zwei Jahre später ließ Krupp einen Maschinenschacht auf Grube Georg abteufen.

Dieser erhielt anfangs eine 20-PS-Dampfmaschine zur Förderung. Der Schacht hatte 1885 bereits eine Teufe 155 m. Die gesamte Teufe des Schachtes betrug zuletzt im Jahr 1965 968 m.

In den Jahren 1898/99 wurde für den Weitertransport der Erze eine Drahtseilbahn zur Grube Louise gebaut.

Diese wurde bis zur Stilllegung der Grube 1930 genutzt. 1892 wurde die Grube Girmscheid, in der Gemeinde Gierene gelegen, mit der Grube Georg konsolidiert. Sie war seit 1803 als Wiedische Grube in Betrieb.

1926 erwarb die „Sieg-Lahn-Bergbaugesellschaft mbH“ die Grube Georg und modernisierte die Anlage zwei Jahre später. Sie bekam neue elektrische Förder- und Aufbereitungsanlagen und eine neue Waschkaue. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise wurde die Förderung auf Georg um 1930 eingestellt. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Förderung kurzzeitig unterbrochen. Im Herbst 1945 nahm man die Förderung mit 535 Belegschaftsmitgliedern wieder auf, gefördert vom Marshallplan und später aus Mitteln der Montanunion.

1952 teufte man einen zweiten Schacht ab. Dieser wurde 913 m tief und erhielt ein 56 m hohes Fördergerüst, welches heute noch steht und weithin sichtbar ist (seit 1988 Industriedenkmal ). Ab 1953 gehörte der Grubenbesitz Georg zur Erzbergbau Siegerland AG. 1964 zählte die Belegschaft nur noch 370 Beschäftigte.

Die Tagesförderung betrug zuletzt  740 Tonnen. Am 31. März 1965 wurde die letzte Schicht verfahren und die Grube offiziell am 21. Mai 1965 geschlossen. Grube Georg und Grube Füsseberg waren die letzten im Siegerland und Wieder Bezirk.

Belegschatfsfoto der Grube Georg vom 30.08.1886.

Aufnahme von 1934. Der erste Festzug " Tag der Arbeit" der Grube Georg nach der Weltwirtschatfskrise.

Luftbildaufnahme von 1957 mit Blick auf die 2 Schachtanlagen der Grube Georg. Links der alte und rechts der neue Schacht.

Die Arbeitswelt eines Bergmann auf der

Grube Georg von 1950 bis 1965.

Die Waschkaue: An einem Kauenhaken wird die Arbeitskleidung aufgehangen und mit einer Kette bis unter die Decke gezogen .

Die Waschkaue: nach der Arbeit hatte man die Möglichkeit, sich zu waschen.

Die Karbidbude: Hier wurden die Karbidlampen für die nächste Schicht aufbewahrt. Jede Lampe hatte eine Nummer eingeschlagen.

Schichtbeginn: versammelte Gruppe von Bergleuten vor den Förderkorb. Warten auf die nächste Mitfahrgelegenheit!

Bohren für die nächste Sprengung.

Detailaufnahme. Damit es während der Bohrung nicht so staubte, wurde Wasser durch ein kleines Loch in der Bohrkrone zugeführt. Der quarzhaltige Staub war für die Entstehung der bergmännischen Berufskrankeit "Silikose" verantwortlich, an der manche Bergleute nach Jahren harter Arbeit qualvoll erstickten.

Mit Hilfe eines Holzstabes wir die Zündkapsel mit dem Sprengkabel in das Bohrloch geschoben. Hier sieht man sehr schön den Erzgang ( Siderit) !

Jetzt erfolgt die Zündung!

Endlich Pause! Bergleute beim Kartenspielen. Da der Beruf eines Bergmanns sehr gefährlich sein konnte, war der Zusammenhalt der Kumpel ( andere Bezeichnung für Bergmann ) sehr wichtig.

Ein anderer Bergmann auf der 550 m Sohle macht sich heiße Würstchen zum Frühstück. Erwärmt an der Flamme seiner Karbidlampe!

Nach den Sprengarbeiten folgt das Aufräumen mit hilfe eines Überkopflader .

Das Eisenerz wird in einem Grubenwagen verladen.

Über eine Strecke (hier mit Holzausbau) geht das Eisenerz Richtung Füllort.

Am Füllort angekommen, wird das Eisenerz über den Förderkorb nach oben transportiert.

Über ein Glockensignal wird der Fördermachinist verständigt.

Der Fördermachinist an seinem Arbeitsplatz.

Bergleute auf der 550 m Sohle. Mit einem Kipper konnte man Bergeversatzt (Nebengestein zum Auffüllen von Abbauhohlräumen) leichter zum Zielort transportieren.

550 m Sohle: Ein mit Versatz aufgefüllter Abbau. Die Arbeit eines Bergmannes ist nicht nur besonders gefährlich, sondern man durfte auch keine Angst vor Dunkelheit und Enge haben. 

Blick auf das Fördergerüst des alten Schachtes nach der Stilllegung im Jahr 1965

Mineralogische Kostbarkeiten aus der

Dunkelheit der Grube Georg

Bei den Abbauarbeiten der Bergleute wurden des öfteren kristalline Hohlräume vorgefunden.

Auf der Grube Georg war das Sammeln von Mineralien unter den Bergleuten sehr beliebt, auch wenn es nicht offiziell erlaubt war. Hatten Bergleute eine schöne Druse mit Mineralien angefahren, so musste der Steiger informiert werden. Dieser hatte sich dann fürstlich mit tollen und prachtvollen Mineralstufen eingedeckt.

War der Steiger wieder weg, so hatte man selber danach ausschau gehalten. Viel Zeit dazu hatte man aber nicht. Der Steiger verlangte die Druse wieder zu sprengen so das keine kostbare Zeit dafür verschwendet wurde.

Die hier gezeigten Mineralien stammen alle aus der Sammlung Henry Weskamp, Burbach. Dieser hatte im Jahr 2012 eine komplette Sammlung Grube Georg erworben. Gesammelt wurden diese Mineralien in den 50 er und 60 er Jahren von dem Steiger Erich Lück aus Hollert bei Montabauer.

Chalkopyrit mit bunten Anlauffarben auf Siderit. Fundjahr: 1965. Stufengröße 12 x 11 cm.

Foto: Matthias Reinhardt.

Bournonit auf Siderit von der 600 m Sohle. Fundjahr: 1959. Stufengröße: 15 x 8 cm. Foto: Matthias Reinhardt.

Bournonit auf Siderit. Eine absolute Topstufe Von der 640 m Sohle! Fundjahr 1962.

Stufengröße: 12 x 8 cm. Foto: Matthias Reinhardt.

Tetraedrit mit Chalkopyrit auf Siderit. Bildbreite: 18,5 mm. Foto: Matthias Reinhardt.

Tetraedrit auf Siderit. Bildbreite: 18 mm. Foto: Matthias Reinhardt.

Bournonit auf Siderit und Quarz. Bildbreite: 30 mm. Foto: Matthias Reinhardt.

Bournonit auf Siderit und Quarz. Bildbreite: 12 mm. Foto: Matthias Reinhardt.

Mineralien aus den Sammlungen

ehemalige Bergleute

Chalkopyrit auf Siderit von der 800 m Sohle. Stufengröße: ca. 35 x 17 cm.

Sammlung: Werner Groß, Obersteinebach. Foto: Matthias Reinhardt.

Bournonit mit Chalkopyrit. Stufengröße: 12 x 10 cm. Sammlung: Verbandsgemeinde Flammersfeld.

Foto: Matthias Reinhardt.

Pyrit auf Siderit. Bildbreite: 25 mm. Sammlung: Verbandsgemeinde Flammersfeld. Foto: Matthias Reinhardt.

Tetraedrit auf Siderit. Bildbreite: 27 mm. Sammlung: Verbandsgemeinde Flammersfeld. Foto: Matthias Reinhardt.

Bournonit auf Siderit. Bildbreite: 40 mm. Sammlung: Verbandsgemeinde Flammersfeld. Foto: Matthias Reinhardt.