top of page

Grube Wolf, Herdorf

Das Städtchen Herdorf im Hellertal gehörte einst zu den bedeutenden Zentren des Siegerländer Eisenerzbergbaus. In wirtschaftlicher Hinsicht herausragend waren die Gruben des „Florz-Füsseberger-Gangzuges“, der sich auf einer Länge von rund 3 km von Herdorf bis nach Daaden-Biersdorf erstreckte.
Trotz der enormen Ausdehnung dieser Lagerstätte erfolgte der Aufschluss erst vergleichsweise spät - nach 1723. Die später bedeutenden Gruben wie Füsseberg, Friedrich-Wilhelm oder San Fernando entstanden erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der absolute „Spätzünder“ unter den Gruben des „Florz-Füsseberger-Gangzuges“ aber war die Grube Wolf am nordöstlichen Rand des Städtchens Herdorf.

Grube Wolf in 1950 er Jahren Bildarchiv Josef Dreier.jpg

Die Grube Wolf bei Herdorf in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Bildarchiv: Josef Dreier, Herdorf.

Spät entdeckt

Die Grube Wolf bildete den nördlichen Abschluss des „Florz-Füsseberger-Gang­zuges“. Erstmals taucht die Bezeichnung „Wolf“ im Jahre 1870 auf. Vorher hatten hier offensichtlich keine aufwändigeren bergbautechnischen Untersuchungen stattgefun­den. In der Beschreibung des Bergreviers Daaden-Kirchen (RIBBENTROP, 1885) wurde die Grube ledig­lich im Verzeichnis der Bergwerke aufgeführt, nicht jedoch detaillierter beschrieben. Für RIBBENTROP galt die Grube San Fernando als das Ende des Gangzuges.

Zunächst wurden die im Grubenfeld Wolf oberflächennah anstehenden Brauneisenerze im Stollen­betrieb abgebaut. Erst 1890 wurde mit dem Bau einer Schachtanlage begonnen, nachdem die Gebrü­der Reifenrath aus Neunkirchen das Bergwerk erworben hatten. Der Abtransport der Erze erfolgte in den Anfangszeiten noch mittels Pferdefuhrwerken, ehe im Zeitraum von 1910 bis 1912 eine Bremsbahn mit An­schluss an die Staatsbahn installiert worden war. Bis 1917 war der Abbau bereits bis in rund 300 m Tiefe vorgedrungen,

doch nun war Wolf in finanzielle Schwierigkeiten geraten und musste ver­kauft werden.

Für rund 2 Mio. Reichsmark erwarb die Firma Krupp aus Essen, die zu diesem Zeitpunkt bereits Eigen­tümer zahlreicher anderer Gruben- und Hüttenbetriebe im Siegerland war, die Grube Wolf und be­gann mit umfangreichen Investitionen, um die Konkurrenzfähigkeit des Betriebes wieder herzustellen.

Über Tage wurde die Grube mit einer neuen Dampffördermaschine, einer aus sechs Öfen bestehenden Röstanlage, einer vergrößerten Kompressoranlage sowie einer elektrischen Was­serhaltung ausgestattet.

Diese Investitionen zahlten sich schnell aus, die monatlichen Fördermengen stiegen bald auf bis zu 5.000 t Roherz. Mit 46.000 t Erz wurde 1921 ein Rekordausstoß verzeichnet, die Belegschaft war auf über 200 Bergleute angewachsen. Jedoch belastete die anhaltend schlechte wirtschaftliche Lage im Deutschen Reich nach dem Ersten Weltkrieg Bergbau und Hüttenwesen schwer und bewirkte auch die Stilllegung der Grube Wolf am 31. Januar 1925. Ein großer Teil der Anlagen wurde abgebrochen, das Wasser eroberte das Streckennetz. Zehn Jahre später, kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, waren die Siegerländer Rohstoffvorkommen dann wieder gefragter denn je. Vie­lerorts im Siegerland wurde neu prospektiert und alte Grubenbaue aufgewältigt. 1937 war schließlich auch die Grube Wolf wieder in Betrieb genommen worden,

die Unter- und Übertageanlagen wurden ausgebaut bzw. erneuert. Der Abtransport erfolgte nun über eine Seilbahn bis zur zentralen Aufbereitung der Grube Füsseberg. Die monatliche Förderung stieg fortan auf bis zu 8.000 t Roherz an. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs steigerte die Grube Wolf ihre Produktion noch einmal enorm (1944: 84.000 t Erz). Doch der Krieg ging nicht spurlos an dem Herdorfer Bergwerk vorbei: 1945 zwangen die Kriegseinwirkungen den Betrieb zur Aufgabe. Erst 1953/54 gingen in der Tiefe der Grube Wolf die Lichter wieder an. Um die Rentabilität zu stei­gern, hatte die neugegründete Erzbergbau Siegerland AG die Gruben Wolf und San Fernando zu einer Verbundanlage zusammengelegt. Somit entstand neben der großen Verbundgrube Füsseberg/Friedrich-Wilhelm ein weiterer großer Grubenverbund im Bereich des „Florz-Füsseberger-Gangzuges“. Die Grube San Fernando war ebenfalls 1945 durch Kriegseinwirkungen zum Erliegen gekommen. Der seit 1881 bestehende Schacht wurde nun zum zentralen Förderschacht der Verbundgrube San Fer­nando - Wolf ausgebaut, beide waren untertage miteinander verbunden worden.

Mit einer Beleg­schaft von zeitweise 670 Bergleuten förderte man täglich rund 750 t Roherz, bis 1962 die abbauwürdige Resterzmenge ausgebeutet war und die Grube endgültig stillgelegt werden musste.

Bis 1975 thronte der Förderturm der Grube Wolf hoch über dem Hellertal, bis auch er wegen akuter Baufälligkeit dem Abriss zum Opfer fiel und als eines der letzten Wahrzeichen des früheren Siegerländer Bergbaus verschwand.

Fördergerüst Grube Wolf_Bildarchiv_Josef-Dreier.jpg

Fördergerüst Grube Wolf, Herdorf.
Bildarchiv: Josef Dreier, Herdorf.

Kaum Drusen im Siderit

Die Ausfüllung der Erzgänge bestand in den oberen Zonen aus Brauneisenstein, ab einer Tiefe von 300 m bis 400 m dann vorwiegend aus Siderit (Spateisenstein) mit weißem Quarz als Haupt­gangart. Die in der Grube Wolf aufgeschlossenen Vorkommen erreichten Mächtigkeiten bis 5 m. Primäre Erzminerale von der Grube Wolf sind in den Sammlungen eher seltener anzutreffen. Dies mag auch an der Tatsache liegen, dass Drusenräume in der Siderit-Gangmasse nur spärlich auftraten (HOFFMANN, 1964).

Blättrige Siderit-Kristalle kleideten diese Hohlräume aus, erreichten aber nur selten größere Dimensionen.

Die intensiv gelben, scharfkantigen Rhomboder einer jüngeren Generation treten auf Quarz und älterem Siderit auf und werden von Galenit, Markasit und Sphalerit begleitet.

Quarz fand sich in den Siderit-Drusen in Form von milchigen oder glasklaren Kristallen, die allerdings ebenfalls meist nur geringe Längen erreichten. Interessant sind die von NOSTIZ (1912) erwähnten Pseudomorphosen von Quarz nach ehemaligen Baryt-Kristallen. Es handelt sich hierbei um taflige, innen hohle Kristalle bis 5 mm Größe. Sie weisen eine raue Oberfläche auf, die durch eine Vielzahl winziger Quarz-Spitzen hervorgerufen wird. Den Baryt selbst konnte NOSTIZ nicht mehr nachweisen.

Lokal fanden sich derbe Anreicherungen von Kupferkies (Chalkopyrit), Bleiglanz (Galenit) und Zinkblende (Sphalerit), die aber wirtschaftlich nicht von Interesse waren. Kristalle dieser Minerale traten in den Drusenräumen von Siderit und Quarz auf, waren jedoch meist nur von geringer Größe. Deshalb sind nur wenige kristallisierte Stufen dieser Erze in den Sammlungen überliefert. Galenit-Kristalle erreichen in Einzelfällen Größen bis etwa 1,5 cm, sind dann mitunter auch taflig entwickelt - ähnlich den sogenannten „Gonderbacher Platten“. Typisch tetraedrisch ausgebildete Fahlerz-Kristalle (Tetraedrit) auf Siderit erreichen eine Größe von 5 mm. Pyrit-Kristalle, die auf Siderit oder Nebengestein frei ausgebildet vorliegen, sind überwie­gend würfelförmig entwickelt und erreichen Kantenlängen von 5 mm. Ganze Ra­sen von blanken messinggelb-metallischen Kristallen kleiden Quarzschalen aus (NOSTIZ l.c.). Markasit ist in der Grube Wolf weitaus seltener vorgekommen als der allgegenwärtige Pyrit und bil­det nadelförmige bis schmal säulenförmige, längsgestreifte Kristalle, die in den Höhlungen des derben Pyrits und Siderits auftreten. Ullmannit kam in der 500-m-Sohle der Grube Wolf derb bzw. als idiomorphe Kristalle und Aggregate vor, die im Siderit eingeschlossen waren (BODE 1980). Das sammlerisch interessanteste Primärmineral der Grube Wolf dürfte der Millerit sein, der 1955 auf der 520-m-Sohle in bis zu 1 cm langen Nadeln gefunden worden ist.

Die Kristalle ordnen sich radialstrahlig zu Büscheln und Garben an oder bedecken wirrstrahlig verfilzt die aus Quarz und Siderit bestehende Unterlage.

Bergleute Grube Wolf im Jahr 1930 Bildarchiv Josef Dreier.jpg

Untertageaufnahme Grube Wolf. Die Kumpels von der letzten Sohle. Bildarchiv: Josef Dreier, Herdorf.

Brauneisen bis in über 400 m Tiefe

Bemerkens­wert an der Gangausfüllung der Grube ist die außergewöhnlich tief reichende Oxidationszone der Lagerstätte. Während im Bereich der anderen Gruben des „Florz-Füsseberger-Gangzuges“ dieser als „Eiserner Hut“ bezeichnete Teil der Lagerstätte lediglich bis in eine Tiefe von 20 bis 40 m verfolgt werden konnte, wurden in der Grube Wolf noch auf der 400-m-Sohle Brauneisenerze gewonnen. Um 1920 bestand noch gut die Hälfte des Fördergutes aus diesem Erz.

Die außergewöhnliche Tiefenerstreckung der Oxidationszone im Bereich der Grube Wolf wird von RICHARTZ (1979) mit der mittelbaren räumlichen Nähe zu den tertiären Basaltvorkommen der Mahlscheid und des Ho­henseelbachskopfes begründet. Der jüngere Vulkanismus soll demnach zu einer Erhitzung des Erz­gangs und dadurch zu einer beschleunigten Oxidation des Erzes beigetragen haben. Allerdings reichte auch in anderen Siegerländer Lagerstätten - z. B. Bollenbach oder Ohliger Zug - die Oxidationszone bis in solche Tiefenbereiche. In diesem Zusammenhang erkannte HOFFMANN (1964), dass die Oxidation des Siderits insbesondere in jenen Gangabschnitten bis in größere Tiefe nachzuvollziehen war, in denen Störungen und Auflockerungszonen das Vordringen der Tageswässer erleichterten. Was auch immer der Grund für die Tiefenerstreckung des „Eisernen Huts“ sein mag, für die Mineraliensammler ist dieser Umstand in der Grube Wolf jedenfalls ein Glücksfall, denn in diesem Bereich wurden die großartigen Mineralstufen mit Rhodochrosit, gediegen Kupfer, Cuprit, Malachit u. a. gefunden. Goethit bildet den Hauptbestandteil des derben Brauneisenerzes. Die zahlreichen, teilweise mehrere Meter großen Hohlräume in diesem Material wurden meist von den kugelig-nierigen Aggregaten des „Braunen Glaskopfes“ ausgekleidet. Stalaktitische Ausbildungsformen, welche die Dicke eines Arms erreichen können, stellen beliebte Sammlungsstücke dar. In der Sammlung der ehemaligen Siegener Bergschule befindet sich ein 40,5 cm langer und 5,5 cm dicker Goethit-Stalaktit von der Grube Wolf. Die glänzende Oberfläche einiger Aggregate schillert in bunten Anlauffarben. Seltener wurden samtige Oberflächen angetroffen, die durch rasenartige nadelige Kristalle hervorgerufen werden. Ockergelber erdiger Goethit ist laut NOSTIZ als ein Gemenge mit einem Tonmineral anzusehen. Des Weiteren erwähnt NOSTIZ die Synonyme „Stilpnosiderit“ und „Eisenpecherz“, bei denen es sich um glaskopfartige Ausbildungen mit muscheligem Bruch und pechschwarz glänzender Farbe handelt. Dieses Material besteht in der Regel aus amorphem Eisenhydroxid („Siderogel“).

Lepidokrokit wurde seltener als der Goethit angetroffen. In den Hohlräumen des Brauneisenerzes bildet diese Modifikation des Eisenhydroxids kugelige, radialstrahlige Aggregate, die braunrot gefärbt sind.

Die Oberfläche dieser Gebilde ist körnig und rau; sie wird oftmals von glaskopfartigem Goethit überzogen. Lepidokrokit erscheint aber auch als braun- bis rubinrot durchscheinende, taflige oder messerklingenförmige Kristalle, die sich rasenartig oder zu kleinen Rosetten aggregieren.

Bergleute Grube Wolf im Jahr 1957 Bildarchiv Josef Dreier.jpg

Bergleute untertage während einer Mittagspause. Aufnahme von 1957. Bildarchiv: Josef Dreier, Herdorf.

Prächtige Kupfermineralien
 

Neben Rhodochrosit ist gediegenes Kupfer das bekannteste Mineral der Lokalität. Die Ausbildungsvarianten sind vielfältig. Besonders häufig sind dünne Blättchen, die in den Hohlräumen von Brauneisenerz und Quarz beobachtet werden können und diese zum Teil auch vollständig auskleiden. Daneben kommen aber auch dendritische, verästelte oder farnblattähnliche Gebilde vor, die bisweilen mehrere Zentimeter groß sind. Taflige Kristalle bis etwa 1 cm Größe weisen oft einen sechsseitigen Umriss auf. Auch moos- und drahtförmige Aggregate sind nicht selten. Dagegen zählen kleine als Würfel oder Oktaeder ausgebildete Kristalle eher zu den Raritäten. Die Kristallgröße bewegt sich meist im Bereich um 2 bis 3 mm, selten darüber. Das gediegene Kupfer von der Grube Wolf weist in den meisten Fällen eine dünne Corona aus Malachit auf. Dieser bildet Pseudomorphosen nach dem Element, kann dieses auch vollständig ersetzen, wobei die ursprüngliche Form des Kupfers weitgehend konserviert worden ist. Ebenfalls kommen Pseudomorphosen von Cuprit nach gediegenem Kupfer vor, auf denen sich laut NOSTIZ (l.c.) wiederum die kleinen Kristalle einer jüngeren Generation des Kupfers angesiedelt haben. Teilweise scheint das gediegene Kupfer zunächst durch Cuprit und anschließend durch Malachit ersetzt worden zu sein.

Die Cuprit-Kristalle von der Grube Wolf gehören zu den Besten im Siegerland. NOSTIZ berichtete von zwei besonders guten Funden in den Jahren 1906 und 1909, die zahlreiche Stücke mit scharfkantig ausgebildeten, stark glänzenden Oktaedern auf Brauneisensteinmatrix geliefert hatten. Manchmal sind die Cuprit-Kristalle auf gediegenem Kupfer aufgewachsen. Die dominierende Form ist der Oktaeder, Kombinationen mit Würfelflächen sind seltener. Die tiefrot durchscheinenden, manchmal graumetallisch glänzenden Cuprit-Kristalle erreichen mitunter eine Größe bis 1 cm. Selten und laut NOSTIZ sogar nur auf einer einzigen Stufe sind feine nadelförmige, rote Kristalle gefunden worden. Diese auch „Kupferblüte“ genannte Varietät des Cuprits bildet regellose Aggregate, die aus einer Vielzahl von bis zu 1 cm langen - meist aber weitaus kleineren - Nadeln bestehen. In der älteren Literatur und auf Sammlungsetiketten tauchen des Öfteren Bezeichnungen auf wie „Kupferpecherz“ oder „Ziegelerz“. Beide stellen Gemenge aus Eisenhydroxiden (Goethit, Lepidokrokit) und Cuprit dar oder sind weitgehend amorph. Das „Kupferpecherz“ wird von NOSTIZ als dunkel leberbraune, fettglänzende Masse mit muscheligem Bruch im Brauneisenstein charakterisiert, auf dessen Bruchflächen und den Drusenräumen stets dünne Kupferblättchen aufgewachsen sind. Das „Ziegelerz“ bildet ziegelrote pulvrige Massen in Brauneisenstein, vergesellschaftet mit Malachit und Resten von Chalkopyrit.

Obwohl die Grube Wolf einige wirklich herausragende Stufen hervorgebracht hat, taucht Malachit in der Literatur nur eher untergeordnet auf. So erwähnte beispielsweise NOSTIZ das Kupfermineral lediglich von der benachbarten Grube Hollerter Zug. Dabei hatte auch Wolf bis zu 5 cm lange nadelig-prismatische Kristalle geliefert. Die tiefgrünen Kristalle sind zu Büscheln und Garben radialstrahlig aggregiert und treten in den Hohlräumen des Brauneisenerzes auf. Neu entdeckt auf alter Stufe: weißer Chalkoalumit als Pseudomorphose nach Malachit. Aufgrund der eher unauffälligen Ausbildung ist dieses Sulfat früher auf den klassischen Stufen ebenso übersehen worden wie Delafossit, der in glänzenden, schwarzen kristallinen Kugeln und Krusten neben Kupfer und Cuprit auf „Glaskopf“ auftaucht. Ähnliches gilt für Brochantit, der Malachit-ähnliche grüne Überzüge auf gediegenem Kupfer und Cuprit bildet.

Das früher als „Kupfervitriol“ bezeichnete Kupfersulfat Chalkanthit wurde von NOSTIZ als blaue kristalline Überzüge, glänzende nierenförmige Aggregate und kleine Stalaktiten beschrieben. Das Mineral tritt auf einer stark zersetzten Erzmasse mit viel Pyrit auf. Von besonderem Interesse sind jedoch bis 5 mm messende taflige, linsenförmige Kristalle von himmelblauer Farbe, die zu den absoluten Spezialitäten der Herdorfer Zeche zählen. Ebenso Pseudomalachit, der auf einer Stufe der ehemaligen Sammlung SCHWEISFURTH als kugelige, dunkelgrüne Aggregate mit einem Durchmesser von bis zu 2 cm zu betrachten ist.

Malachit Wolf BB 13 mm Josef Dreier 14-2

Malachit in strahliger Ausbildungsform auf Brauneisenstein. Bildbreite: 13 mm.
Sammlung: Josef Dreier, Herdorf.

Kupfer Wolf BB 11 mm Josef Dreier 14-25-

Kupfer ged. wird von einer dünnen Partina Malachit überzogen. Bildbreite: 11 mm.
Sammlung: Josef Dreier, Herdorf.

Malachit Wolf BB 42 mm Josef Dreier 21-04-14 Foto Reinhardt.jpg

Malachit in strahliger Ausbildungsform auf Brauneisenstein. Bildbreite: 42 mm.
Sammlung: Josef Dreier, Herdorf.

Kupfer Wolf BB 8 mm Josef Dreier 15-44-03 Foto Reinhardt.jpg

Kupfer ged. wird von einer dünnen Partina Malachit überzogen. Bildbreite: 8 mm.
Sammlung: Josef Dreier, Herdorf.

Cuprit Rhodochrosit Wolf BB 3,5 mm Norbert Stötzel 21-23-53 Reinhardt.jpg

Cuprit auf Rhodochrosit. Bildbreite: 3,5 mm. Sammlung: Norbert Stötzel, Siegen.

Delafossit Wolf BB 4,2 mm Josef Dreier 14-14-24 Foto Reinhardt.jpg

Delafossit als Blumenartige Verwachsungen auf Limonit. Bildbreite: 4,2 mm.
Sammlung: Josef Dreier, Herdorf.

Pyrolusit Wolf Stufengröße 10 x 8 cm Josef Dreier 23-07-03 Foto Reinhardt.jpg

Pyrolusit in hochglänzenden Kristallen. Stufengröße: 10 x 8 cm. Sammlung: Josef Dreier, Herdorf.

Goethit Wolf Stufengröße 10 x 8 cm Josef Dreier 22-08-31 Foto Reinhardt.jpg

Limonit. Stufengröße: 10 x 8 cm. Sammlung: Josef Dreier, Herdorf.

Weltberühmt: Rhodochrosit

Rhodochrosit-Stufen machten die Grube Wolf überregional weithin bekannt und zählen zu den Prunkstücken zahlreicher Sammlungen weltweit. In der Literatur erscheint das Mangancarbonat jedoch erst relativ spät, was mit der späten Erschließung der Grube im Zusammenhang steht. Der Rhodochrosit der Grube Wolf ist vielfach

in der jüngeren Literatur thematisiert worden, zahlreiche Abbildungen dieses Minerals zieren die Fachbücher.

Ehemalige Bergleute berichten von mehrere Meter großen Hohlräumen, die hervorragende Rhodochrosite enthalten haben und z.T. von unzähligen Kristallen ausgekleidet gewesen sein sollen - das muss ein wahrlich unglaublicher Anblick gewesen sein! Die besten Funde gelangen zwischen der 300- und 350-m-Sohle in der Übergangszone des Brauneisenerzes zu Siderit. Der nahe Siderit sorgte sowohl für das carbonatische Bildungsmilieu als auch für die Versorgung der Lösungen mit Mangan.

In den zahlreichen Hohlräumen des Brauneisenerzes entstanden himbeerrote skalenoedrische Kristalle bis etwa 2 cm Länge. Kleine Kristalle sehen eher reiskornähnlich aus. Die Kristalle vereinen sich zumeist zu kleinen Gruppen, durchkreuzen sich teilweise gegenseitig. Wunderschöne radialstrahlige Rosetten - wie leuchtend rote Blumen auf tief schwarzem „Glaskopf“-Untergrund - und tropfsteinartige Gebilde aus vielen Einzelindividuen sind begehrte Sammlungsstücke. Die himbeerförmige Ausbildung, einhergehend mit der leuchtend roten Farbe des Minerals, gab den Anlass zur Bezeichnung „Himbeerspat“. Des Weiteren wurden radialstrahlige kugelig-nierige Formen sowie tönnchenförmige Ausbildungen angetroffen, deren Oberfläche vielfach abgestuft ist.

Es handelt sich offenbar um eine Verwachsung zahlreicher Subindividuen, wie RICHARTZ (1979) anhand von REM-Aufnahmen belegte. Auch die großen spitzrhomboedrischen Kristalle werden gelegentlich aus mehreren subparallel verwachsenen Exemplaren aufgebaut. Schon NOSTIZ (l.c.) bemerkte, dass die Enden mancher Rhodochrosite „aus zahlreichen kleinen Kristallspitzen“ bestehen.

Neben dem Hauptbestandteil Mangan konnte RICHARTZ im Rhodochrosit der Grube Wolf auch Calcium, Magnesium und Eisen feststellen, die sich gegenseitig substituell ersetzen. Die Gehalte an Fremdelementen haben mitunter Einfluss auf die Färbung des Rhodochrosits. Höhere Eisengehalte bewirken einen mehr ins gelblichbraune tendierenden Farbton, stärkere Anteile von Calcium und Magnesium lassen das Mineral hellrot bis weiß aussehen. Begleitet wird der Rhodochrosit häufig von kleinen Kupfer-Kristallen - zum Teil überzogen von einer dünnen Patina aus Malachit. Mitunter wird das Mangancarbonat von gediegenem Kupfer überwachsen. Außer dem „Himbeerspat“ entstanden aus der Verwitterung des manganhaltigen Siderits noch einige andere Manganverbindungen wie Pyrolusit, Manganit und Kryptomelan. Pyrolusit fand sich in der Grube Wolf in Form von grauschwarzen, halbmetallisch glänzenden, feinblättrigen und stängeligen Kristallen, die entweder radialstrahlig angeordnet sind oder rasenartig den stalaktitischen und nierenförmigen Goethit überziehen. Die Kristalle überschreiten nur selten eine Größe von 1 cm. Sie sind zum Teil messerklingenähnlich spitz zulaufend oder an einer Seite „ausgezackt“. Des Weiteren beschrieb Nostiz wirrstrahlige feine Nadeln oder pelzförmige Aggregate in den Hohlräumen des Brauneisenerzes, bei denen es sich aber auch um Kryptomelan oder Coronadit gehandelt haben könnte. Das gleiche gilt für die als „Psilomelan“, „Schwarzer Glaskopf“ oder „Wad“ bezeichneten mattgrauen derben Massen oder kugeligen bis nierigen Aggragate, die in der Regel aus schlecht kristallisierten Manganoxiden (meist Kryptomelan) bestehen. In der Grube Wolf fanden sich nach NOSTIZ faustgroße Aggregate des „Schwarzen Glaskopfs“.

Bei den meisten als Manganit ausgezeichneten Stufen dürfte es sich um Pyrolusit handeln. Dieser pseudomorphisiert die ehemaligen Manganite vollständig. „Echter“ Manganit ist selten und an der schwarzen, stark glänzenden Farbe und vor allem an den gelblichen Innenreflexen in dünnen Kristallen oder Kristallsplittern zu erkennen. Rasenartig können unzählige taflige oder kurzprismatische Manganite Spalten und Drusen in Quarz oder Brauneisenerz auskleiden.

Rhodochrosit Grube Wolf_Herdorf Stufengröße  4 x 2 cm Henry Weskamp 13-73-89 Reinhardt Min

Rhodochrosit auf Limonit. Stufengröße: 4 x 2 cm. Sammlung: Henry Weskamp, Burbach.

Rhodochrosit Grube Wolf_Herdorf Stufengröße 5 x 4,5 cm Weskamp 70-22-06 Reinhardt Minerali

Rhodochrosit auf Limonit. Stufengröße: 5 x 4,5 cm. Sammlung: Henry Weskamp, Burbach.

Rhodochrosit Grube Wolf_Herdorf Stufengröße  6 x 4,5 cm Henry Weskamp 13-57-09 Reinhardt M

Rhodochrosit auf Limonit. Stufengröße: 6 x 4,5 cm. Sammlung: Henry Weskamp, Burbach.

Rhodochrosit Wolf BB 11 mm Norbert Stötzel 21-14-57 Reinhardt.jpg

Rhodochrosit auf Limonit. Bildbreite: 11 mm. Sammlung: Norbert Stötzel, Siegen.

Rhodochrosit Wolf BB 10 mm Matthias Reddehase 22-21-22 Reinhardt.jpg

Rhodochrosit auf Limonit. Bildbreite: 10 mm. Sammlung: Matthias Reddehase, Mainz.

Rhodochrosit Wolf BB 16 mm Norbert Stötzel 22-40-08 Reinhardt.jpg

Rhodochrosit auf Limonit. Bildbreite: 16 mm. Sammlung: Norbert Stötzel, Siegen.

Weitere Raritäten

Ins Raritätenkabinett der Grube Wolf reihen sich schließlich noch einige Bleiminerale und Arsenate ein: Cerussit beispielsweise tritt auf den wenigen bekannten Stufen als weiße, taflig und prismatisch ausgebildete Kristalle auf Brauneisenerz in Erscheinung. Häufig handelt es sich um Zwillinge und auch Drillinge bis ca. 1 cm Größe. Dünne hexagonale Leadhillit-Täfelchen (< 0,5 mm) stammen aus einem Neufund, kleine Mimetesit-Nadeln wurden zusammen mit Cuprit in Brauneisenerz-Hohlräumen entdeckt.

Das seltene Bleiarsenat Philipsbornit ist sowohl für die Grube Wolf als auch für das Fundgebiet Siegerland-Wied eine Neubestimmung. Es handelt sich dabei um hellgelbe, semitransparente Kristalle bis 0,5 mm Größe in spitzrhomboedrischer Ausbildung, die sich zu flachen Rosetten bis 2 mm im Durchmesser anordnen. Das Mineral sitzt zusammen mit kleinen Kristallen von gediegenem Kupfer auf Goethit-„Glaskopf“.

Ein geringer Eisengehalt ist für die gelbliche Färbung des Philipsbornits verantwortlich, der dadurch den chemisch ähnlichen und nahe verwandten Mineralen Beudantit, Corkit und Segnitit von anderen Siegerländer Fundorten visuell ähnelt. Mit Corkit ist eines dieser Minerale aus der Grube Wolf sogar bereits bekannt.

Es handelt sich dabei um kleine gelblichgrüne rhomboedrische Kristalle auf Brauneisenstein.

Auch Skorodit kann auf den ersten Blick ähnlich aussehen. NOSTIZ hatte dieses Eisenarsenat von der Grube Wolf als kleine Kriställchen und dünne Krusten auf Brauneisenstein beschrieben, die in Vergesellschaftung mit Cuprit auftreten. In der Sammlung des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum befindet sich zudem eine Stufe mit Pharmakosiderit in kleinen grünlichgelben Kristallen auf Brauneisenstein. In Form von hell- bis tiefrosafarbenen Sphärolithen und Krusten erscheint hier und da im Verwitterungsbereich kobalthaltiger Erze auch Erythrin auf Quarz und Tonschiefer.

Text von Markus Henrich, Kirchen

bottom of page