Die Grube Schöne Aussicht bei Burbach im Siegerland:

Fundort vieler seltener Mineralien

 

 

 

 

Text von: Johannes Markus Henrich, Kirchen, Matthias Reinhardt, Drolshagen und Günter Frenz, Köln.

Die Halde des Oberen Stollen der Grube Schöne Aussicht. Foto: Markus Henrich.

Etwas abseits der bekannten Gruben Peterszeche, Victorsfeld (Bleiberg) und Grüne Hoffnung im Buchhellertal befindet sich am Burgberg (591 m ü. N. N.) bei Burbach im südlichen Siegerland die Grube Schöne Aussicht. Es handelt sich um eine interessante Fundstelle für eine Vielzahl recht seltener und teils sehr schöner Mineralien, die wir in diesem Beitrag vorstellen möchten.

Die Grube Schöne Aussicht baute auf einem Blei-, Zink- und Kupfererzvorkommen im östlichen Fortstreichen der Lagerstätte der Gruben Grüne Hoffnung und Hoffnungsstern. Die Gangzone mit einigen kleinen Vorkommen erstreckt sich weiter bis ins Gambachtal südlich von Burbach. Anders als bei den Gruben im Buchhellertal ist über den Bergbau hier nur wenig bekannt. In der Bergrevierbeschreibung von HUNDT et al. (1887) steht geschrieben, dass die Grube Schöne Aussicht bis dahin nicht über Untersuchungsarbeiten hinausgekommen sei. Zwei kurze Tagesschächte sowie zwei Stollen, die vermutlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen, haben die Lagerstätte zusammen mit einem Blindschacht und Gesenken in unterschiedlichen Teufen erschlossen und untersucht. Man fand Weißbleierz (Cerussit) und Bleiglanz (Galenit) in „schmalen Brauneisensteintrümern“ (HUNDT et al. 1887), begleitet von Fahlerzen, Zinkblende (Sphalerit) und Kupferkies (Chalkopyrit) in einer Gangart aus Quarz, Grauwacke und Tonschiefer. Die Vererzungen waren aber offenbar nicht ergiebig und regelmäßig genug für einen profitablen Abbau. Der obere Stollen mit Halde sowie ein kleiner Pingenzug lassen sich heute noch im Gelände lokalisieren, vom tiefen Stollen sind nur noch wenige Haldenreste auffindbar.

Einen ersten umfangreichen Beitrag über die Mineralien dieser Grube publizierten MANDLER et al. im Jahr 1989. Sie berichteten über einige sehr interessante Mineralienfunde von den Halden, darunter große Sphalerit- und Fahlerz-Kristalle, gediegen Silber und Seltenheiten wie Cuproadamin und Gerhardtit. MANDLER et al. betrachteten ihren Artikel damals schon als „vorläufiges Zwischenergebnis“, da sich die Sekundärmineralisation als sehr artenreich erwies und weitere fragliche Mineralien auf ihre Bestimmung warteten. Bald darauf wurden die Minerale Bindheimit (heute Oxyplumboroméit), Skorodit und Susannit nachgetragen (ANONYMUS 1989). Später kamen Redgillit und Zinkolivenit hinzu (SCHNORRER et al. 2006; GRÖBNER & KOLITSCH 2009) und zeigen weiter auf, dass hier eine außerordentlich vielfältige Paragenese vorkommt. Unsere Sammeltätigkeit und Untersuchungen konnten eine Vielzahl der bereits beschriebenen Arten, aber auch einige für die Fundstelle ganz neue Mineralien nachweisen. Die im Rahmen dieses Artikels neu bestimmten Minerale wurden soweit wie möglich sowohl mit Raman-Spektroskopie als auch mit EDX untersucht.

Profilriss der Grube Schöne Aussicht von 1902. Seitenansicht von Schacht, Oberer Stollen und die Tiefe Stollensohle. Archiv: Henry Weskamp, Burbach

Schöne Sphalerite und seltene Erze

Die Lagerstätte der Grube Schöne Aussicht zeigt in mancherlei Hinsicht Ähnlichkeiten mit den Vorkommen im Buchhellertal, vor allem aber mit der Grube Grüne Hoffnung. Quarz ist die Hauptgangart des Vorkommens und bildet in Hohlräumen auch Kristalle bis 1 cm Länge. Die gesuchten Erze der Grube Schöne Aussicht waren Galenit, Sphalerit, Fahlerz und Chalkopyrit, die in derben Nestern und Schnüren in Quarz, Brauneisenerz, Tonschiefer und Grauwacke auftreten. Das Brauneisenerz geht mit zunehmender Teufe in Siderit über.

Hervorzuheben sind vor allem die großen dunkel- bis honigbraunen, teils prächtig durchscheinenden Sphalerit-Kristalle bis ca. 2 cm Größe. Sie treten auf Quarz und Grauwacke neben kleinen Siderit-Kristallen auf. Ihnen können speerspitzenartige Markasite bis 2 mm Länge aufgewachsen sein. Auch die Fahlerze Tetraedrit und Tennantit sowie Chalkopyrit, Galenit und Pyrit kommen in teils gut entwickelten Kristallen vor.

Die Tetraedrite und Galenite können Größen bis 1 cm erreichen, während Tennantit, Chalkopyrit und Pyrit bis ca. 3 mm große Kristalle ausbilden. Es ist nicht leicht, die beiden Fahlerze voneinander zu unterscheiden.

In dünnen Splittern zeigt Tennantit rote Innenreflexe.

Im Quarz eingewachsen findet man nicht selten Ullmannit in würfelförmigen Kristallen und Aggregaten bis

ca. 5 mm Kantenlänge. Frei aufgewachsen konnte man das Nickelerz, das von der benachbarten Grube Grüne Hoffnung schon seit zwei Jahrhunderten bekannt ist (ULLMANN 1814), allerdings nur äußerst selten und dann meist sehr klein und bereits korrodiert beobachten. Neu bestimmt wurde auch Gersdorffit, der visuell von Ullmannit kaum zu unterscheiden ist. Er bildet derbe Erzbutzen im Quarz sowie selten sehr kleine flächenreiche Kristalle in Drusen, die im Gegensatz zum Ullmannit eher dazu neigen, dunkel anzulaufen.

Aus der hydrothermalen Zersetzung des Ullmannits in einer jüngeren Mineralisationsphase resultiert das Vorkommen von Millerit in kleinen messinggelb-metallischen Nadeln bis ca. 5 mm Länge. Ebenso wie der Ullmannit sind auch sie zumeist im Quarz eingeschlossen, ragen manchmal aber auch in Hohlräume hinein und durchspießen mitunter auch Fahlerz-Kristalle. Siegenit ist eine Neubestimmung und zeigt sich als große Rarität in sehr kleinen silberweißen Oktaedern.

Eine weitere Besonderheit stellt der Neufund von Bournonit dar, nicht weil die Kristalle etwa besonders schön und groß ausgebildet wären, sondern weil dieses Mineral in den Burbacher Lagerstätten bisher nicht bekannt war. Die flächenreichen Kristalle erreichen maximal 2 mm Größe und sitzen auf Quarz.

Die innigen Verwachsungen und Verdrängungen der sulfidischen Erze sind im Bereich der Grube Schöne Aussicht mitunter sehr komplex. ADELMANN (2014) zeigt beispielhaft dafür, wie jüngeres Fahlerz Chalkopyrit randlich verdrängt. Auch um Ullmannit-Relikte bildet Fahlerz dünne Säume, eingebettet in Galenit mit eingesprengtem Chalkopyrit, der wiederum eingeschlossene Millerit-Nädelchen enthält.

Des Weiteren konnten in Erzanschliffen abgerundete Bournonit-Körner als kleine Einschlüsse im derben Tetraedrit entdeckt werden, sind also vermutlich älter als das Fahlerz (pers. Mitt. H. ADELMANN, 2019). Ullmannit, Chalkopyrit, Millerit, „Kupferglanz“ (überwiegend Digenit) sowie die für das Siegerland sehr seltenen Minerale Famatinit und Vaesit als idiomorphe, eingewachsene Kristalle sind weitere Bestandteile dieser komplexen Paragenese. Die Verwachsungen des Famatinits mit dem Kupferglanz, die teils kolloidale Abscheidungsform des Kupferglanzes, die Korrosion des Chalkopyrits und die Verdrängung des Fahlerzes durch Famatinit deuten darauf hin, dass sowohl Famatinit als auch der Kupferglanz supergener (zementativer) Genese und somit jünger als Fahlerz und Chalkopyrit sind (pers. Mitt. H. ADELMANN, 2019).

Von SCHNORRER et al. 2006 wird anstelle des Digenits auch Chalkosin genannt, der ebenso wie Bornit den derben Chalkopyrit verdrängt.

Tetraedrit auf Quarz. Bildbreite: 7,5 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Tetraedrit auf Quarz. Bildbreite: 3,8 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Tetraedrit auf Quarz. Bildbreite: 6 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Ullmannit in Quarz. Bildbreite: 13,5 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Bournonit auf Quarz. Bildbreite: 4,7 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Galenit. Bildbreite: 7 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Galenit. Bildbreite: 3 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Silber in Limonit. Bildbreite: 1,5 mm. Sammlung: Jörg Mandler, Wetzlar.

Silber auf Limonit. Bildbreite: 1,8 mm. Sammlung: Jörg Mandler, Wetzlar.

Chalkopyrit auf Quarz. Bildbreite: 3,6 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Millerit mit Morenosit. Bildbreite: 4 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Seltene Arsenate verdrängen Mimetesit

Mimetesit und Cerussit werden in vielen Fällen von jüngeren, oftmals krustig, feinkristallin oder kugelig-nierig ausgebildeten Mineralien überzogen und teilweise auch pseudo- bzw. paramorph verdrängt. Hierzu zählen neben Goethit vor allem Linarit, Malachit, Brochantit, Segnitit, Cuproadamin und Bayldonit. Seit den 1980er-Jahren ist der kupferhaltige Adamin (Varietät Cuproadamin) bekannt (MANDLER et al. 1989), der hell-, oliv- oder apfelgrüne kugelig-nierige, teils auch aus winzigen Kristallen bestehende Krusten und Aggregate auf Mimetesit und Quarz ausbildet. Kaum zu unterscheiden ist Cuproadamin von seinen nahen Verwandten Zinkolivenit und Olivenit. Zinkolivenit, der ein eigenständiges Zwischenglied der Reihe Adamin – Olivenit mit einem Cu:Zn-Verhältnis im Bereich zwischen 1:3 und 3:1 ist, kommt in Form von grünen, stark glänzenden kugeligen Aggregaten bis 0,5 mm vor (GRÖBNER & KOLITSCH 2009). Das Kupferendglied dieser Reihe, der Olivenit, wurde ebenfalls in der Grube Schöne Aussicht gefunden. Er bildet kleine olivgrüne Kristalle, die rasenartig Hohläume im Quarz auskleiden.

Dem Cuproadamin visuell ähnlich ist Bayldonit, dessen Farbe zumeist etwas dunkler grün ist. Auch er bildet grüne kristalline Krusten, die Quarz, Brauneisenstein und Mimetesit überziehen. Intensiv gelbe kristalline Überzüge und kugelige Aggregate haben sich als Segnitit herausgestellt. Sie setzen sich aus unzähligen spitzrhomboedrischen Kriställchen zusammen, sind relativ verbreitet und bilden mitunter Pseudomorphosen nach älteren Mimetesit-Kristallen. Bei den Untersuchungen mit Raman-Spektroskopie und EDX war kein Sulfatgehalt erkennbar, sodass der Segnitit klar von Beudantit abgegrenzt werden kann.

Skorodit, den wir selbst nicht finden konnten, wird als kleine Kriställchen erwähnt (ANONYMUS 1989). Stattdessen konnten wir Pharmakosiderit in winzigen licht gelben pseudowürfeligen Kristallen identifizieren.

Das Besondere ist, dass der Pharmakosiderit von Grube Schöne Aussicht deutliche Bleigehalte aufweist, die nahe an der Zusammensetzung des Plumbopharmakosiderits liegen. Vermutlich handelt es sich um intermediäre Mischkristalle zwischen den beiden. Ob eventuell auch ein Zonarbau der beiden Minerale vorliegt, konnte bislang nicht überprüft werden.


 

„Junge Wilde“ im Haldenmaterial

Sehr artenreich und mit vielen Seltenheiten taucht im Mineralbestand der Grube Schöne Aussicht eine Paragenese auf, die zumindest größtenteils erst im Haldenmaterial entstanden ist. Es sind für die Halden von Blei-Kupfer-Zink-Bergwerken typische Mineralien mit Kristallen durchweg im Mikrobereich, wie sie mittlerweile vielerorts beobachtet werden konnten. Anglesit und Cerussit gehören in kleinen Kriställchen dazu. Die Cerussite erscheinen selten leicht bläulich. Lichtgelbe, fast transparente Kriställchen von gediegenem Schwefel finden sich gelegentlich zusammen mit Anglesit in der Nähe von korrodiertem Galenit. Leadhillit und Susannit kommen als pseudohexagonale tafelige Kristalle bis Millimetergröße vor. Zumeist sind sie farblos bis trüb weiß, Susannit wird auch als gelblich beschrieben (ANONYMUS 1989). Wie von anderen Fundstellen beschrieben ist zu vermuten, dass es sich auch hier wenigstens teilweise um Paramorphosen von Susannit nach Leadhillit handelt. Leadhillit/Susannit werden in der Regel von Caledonit begleitet. Dieser ist aufgrund seiner grünlichblauen Färbung etwas auffälliger und bildet langprismatische Kristalle, die zumeist garben- und büschelförmig aggregiert sind. Covellin zeigt sich oft zusammen mit diesen Mineralien als blauschwarz-metallische Überzüge und kleine blättrige Pustel auf den verwitternden Sulfiden.

Basische Kupfersulfate sind weitere typische Vertreter dieser Mineralgesellschaft. Langit und Posnjakit wurden im Material der Grube Schöne Aussicht durchaus häufig gefunden, sind hell- bis tintenblau gefärbt und schwierig voneinander zu unterscheiden. Langit-Kristalle zeigen häufig kurzprismatische, blockige und oftmals sechsseitige Formen und erreichen etwa 2 mm Größe. Posnjakit erscheint in tafeligen, blättrigen, nicht selten rautenförmigen oder spitz zulaufenden Ausbildungsformen. Wie an anderen Fundstellen sind auch hier Übergänge von Langit bzw. Posnjakit zu Brochantit zu beobachten, die sich in zonaren bis vollständigen trüben grünen Färbungen der Kristalle manifestieren. Brochantit selbst bildet smaragdgrüne tafelige, teils zungenförmige Kristalle und kristalline Krusten. Ein noch nicht sehr lange bekanntes Mineral ist Redgillit. Dieser tritt mit Vorliebe in der Gesellschaft von Langit und/oder Posnjakit auf. Daher ist es wenig überraschend, dass die feinen hellgrünen und grasgrünen Nädelchen bis 1 mm Länge auch im Haldenmaterial der Grube Schöne Aussicht gefunden werden konnten (SCHNORRER et al. 2006). Sie setzen sich zu Büscheln, Pusteln und Garben zusammen, die sich stets in der Nähe von Chalkopyrit gebildet haben, der laut SCHNORRER et al. fast immer bereits teilweise in Bornit bzw. Chalkosin umgewandelt ist. Serpierit wird von SCHNORRER et al. als Begleitmineral des Redgillits ohne weitere Beschreibung genannt. Mit Devillin konnte ein nahe verwandtes sowie chemisch wie visuell sehr ähnliches Mineral in hell türkisblauen leistenförmigen Kristallen nachgewiesen werden. Dieser ist ebenso eine Neubestimmung für die Fundstelle wie Ktenasit, der bläulichgrüne Täfelchen (< 0,5 mm) ausbildet und einen hohen Nickelgehalt aufweist. Beide kommen zusammen mit Brochantit und Linarit auf Quarz, Brauneisenerz und verwitterten Blei- und Kupfererzen vor. Türkisgrüne, zu kleinen Rosetten verwachsene Schulenbergit-Blättchen wurden recht selten beobachtet (GOLZE et al. 2012). Ein weiteres sehr seltenes aluminiumhaltiges Kupfersulfat ist Spangolith, der auf wenigen Fundstücken die charakteristischen spitz zulaufenden sechsseitigen Kristalle (< 0,5 mm) von blaugrüner Farbe ausbildet. Ein sehr ungewöhnliches Mineral ist das von MANDLER et al. (1989) beschriebene Kupfernitrat Gerhardtit, das apfelgrüne, radialstrahlig angeordnete tafelige Kristalle bis 0,5 mm Größe in der Nähe von verwitternden Kupfererzen ausbildet.

Auch kugeliger Malachit tritt als Haldenbildung wieder auf. Diesem recht ähnlich ist Rosasit, dessen lediglich 0,2 mm messenden Kügelchen aber eine eher blaugrüne Färbung aufweisen. MANDLER et al. (1989) konnten dieses Kupfer-Zink-Carbonat röntgenanalytisch nachweisen. Die Rosasit-Kügelchen sind auf Cuproadamin aufgewachsen. Intensiv hellblaue, radialstrahlige Kügelchen bis 0,5 mm im Durchmesser, die zusammen mit Cerussit, Mimetesit und Posnjakit auf Quarz, Sphalerit und Fahlerz sitzen, stellten sich als das sehr seltene sulfat- und arsenathaltige Kupfer-Zink-Carbonat Clarait heraus – ein Erstfund für das Siegerland. Auch die weißen nadeligen Kristallbüschel des Aragonits und die langtafeligen, typisch ausgebildeten und bis 3 mm messenden Gips-Kristalle sind als Neubildungen erst im Haldenmaterial entstanden; ebenso weiße schuppige Blättchen aus Hydromuskovit („Sericit“) auf Quarz. Amorphe glatte nierige Krusten von blaugrüner Farbe können dem Allophan zugerechnet werden, der bereits von MANDLER et al. (1989) beschrieben worden ist. Weiße, pulvrige Zwickelfüllungen in Quarz, Siderit und Grauwacke aus Kaolinit und/oder Dickit sind recht häufig, wurden aber nicht weiter untersucht.

Die verbreitet auftretenden Nickelerze Ullmannit, Gersdorffit und Millerit lieferten die Stoffbasis für die Bildung einer Reihe weiterer Minerale. In Quarz eingewachsene Ullmannit-Kristalle werden gelegentlich ganz oder teilweise von weißem, gelblichem oder grünlichem Stibiconit verdrängt, wie dies schon an anderen Siegerländer Fundstellen beobachtet werden konnte (z.B. Grube Brüderbund; HENRICH 1996). Bottinoit ist ein charakteristisches Zersetzungsprodukt von Ullmannit im Haldenmaterial. Auch auf Stufen von der Grube Schöne Aussicht konnte das Nickel-Antimon-Hydroxid in den typischen blaugrünen, durchscheinenden und zumeist kantengerundeten Täfelchen (< 0,5 mm) gefunden werden. Durch die Verwitterung des Gersdorffits entstand Annabergit in hellgrünen kugelig-nierigen Aggregaten. Der nahe verwandte Köttigit bildet rosetten- und büschelartig aggregierte leistenförmige Kristalle. Sowohl Annabergit als auch Köttigit zeigen einen deutlichen Kupfergehalt, was eine Mischkristallbildung mit Babánekit andeutet, welcher aber bisher nicht dominant auftritt. Seltene grüne Pseudomorphosen nach Millerit-Nadeln stellten sich als das relativ seltene Nickelhydroxidsulfat Jamborit heraus. Vergleichbare Pseudomorphosen von anderen Siegerländer Fundstellen waren vor mehr als zwei Jahrzehnten als Morenosit bestimmt und beschrieben worden (HENRICH 1996; REINHARDT 1997).

Als 2013 eine ähnliche historische Stufe von Grube Pfannenberger Einigkeit bei Salchendorf in der Sammlung der Harvard-Universität (Cambrigde/Massachusetts, USA) als Jamborit analysiert und publiziert worden war (ALONSO-PEREZ & WARMINGTON 2013), kamen erste Zweifel auf. Im Falle der Grube Schöne Aussicht konnte der Jamborit nun bestätigt werden. Das Ramanspektrum passt gut zu Jamborit, das EDX-Ergebnis mit Einschränkungen, da vermutlich oberflächliche Verunreinigungen vorhanden sind. Solche Verunreinigungen könnten auch bei den Proben von den anderen Siegerländer Fundstellen für eine Fehlbestimmung ausschlaggebend gewesen sein. Eine neue Überprüfung dieser Proben steht allerdings noch aus.

Resümierend kann festgehalten werden werden, dass die Grube Schöne Aussicht bei Burbach zu den artenreichsten Fundstellen im Siegerland gehört. Noch immer sind einige Fragezeichen offen und es ist davon auszugehen, dass in manchen Sammlungen noch weitere für die Fundstelle neue Arten verborgen sind. Insgesamt konnten wir durch eigene Aufsammlungen sowie unter Bezugnahme der neueren Literatur 71 verschiedene Mineralarten für diese Fundstelle auflisten – darunter Seltenheiten wie Bayldonit, Bottinoit, Clarait, Gerhardtit, Jamborit, Ktenasit, Redgillit oder Zinkolivenit.

Zur heutigen Fundsituation muss gesagt werden, dass die Halden und Aufschlüsse im Bereich der Grube Schöne Aussicht mittlerweile stark abgesucht und nicht mehr sehr ergiebig sind. Kein Wunder, wurde die Fundstelle doch schon in den 1980er-Jahren intensiv besammelt. Mit viel Glück lassen sich jedoch auf der Halde des oberen Stollens noch einige der hier beschriebenen Mineralien in Belegqualität auffinden, beispielsweise Mimetesit, Cerussit, Langit und der im Quarz eingeschlossene Ullmannit. Unweit der Grube Schöne Aussicht befand sich auf der Kuppe des Burgbergs eine keltische Wallburg aus vorchristlicher Zeit, von der die Reste eines Ringwalls noch im Wald zu finden sind. Mit dem Bergwerk selbst hat diese alte Keltenburg allerdings nichts zu tun, ist aber für den Berg namensgebend. Auch die nicht weit entfernt gelegenen Fundstellen im Buchhellertal sind mittlerweile recht stark abgesucht. Allesamt befinden sich die Gruben jedoch in einem historisch, landschaftlich, mineralogisch und geologisch reizvollem Gebiet, in dem sowohl der Bergbau, als auch der lange erloschene Vulkanismus reichlich Spuren und Aufschlüsse hinterlassen haben, die es bei ausgedehnten Wanderungen zu entdecken gilt.

Linarit auf Quarz. Bildbreite: 3,8 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Linarit auf Limonit. Bildbreite: 2 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Linarit auf Quarz. Bildbreite: 5 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Segnitit pseudomorph nach Mimetesit. Bildbreite: 1,8 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Cerussit mit Linarit. Bildbreite: 6 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Brochantit. Bildbreite: 0,5 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Leadhillit neben Galenit. Bildbreite: 1 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Mimetesit. Bildbreite: 5 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Mimetesit. Bildbreite: 3,2 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Mimetesit. Bildbreite: 3,8 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Mimetesit. Bildbreite: 10 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Clarait. Bildbreite: 1,8 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Asbolan. Bildbreite: 1,4 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Langit. Bildbreite: 2 mm. Sammlung: Jörg Mandler, Wetzlar.

Langit. Bildbreite: 1 mm. Sammlung: Jörg Mandler, Wetzlar.

Langit. Bildbreite: 1,8 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Zinkolivenit. Bildbreite: 2,8 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Ktenasit. Bildbreite: 1 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Pyromorphit. Bildbreite: 2,8 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Hämatit auf Limonit. Grube Schmiedeberg. Bildbreite: 2,5 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Jamborit. Bildbreite: 4 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Oxyplumboroméit. Bildbreite: 2 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Cuproadamin auf Quarz. Bildbreite: 3,5 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Annabergit. Bildbreite: 5 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Stibiconit mit Ullamnnit. Bildbreite: 2,1 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Coronadit in Limonit. Bildbreite: 9 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Caledonit. Bildbreite: 0,3 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Cerussit auf Limonit. Bildbreite: 1,8 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Cerussit auf Limonit. Bildbreite: 4 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Bottinoit. Bildbreite: 1 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Spangolith. Bildbreite: 0,3 mm. Sammlung: Jörg Mandler, Wetzlar.