Grube Storch & Schöneberg,

Gosenbach.

 

Die Ehemals "Größte Eisenerzgrube 

Europas."

Tagesanlage der Grube Storch & Schöneberg um 1930.

Alle SW Bilder aus dem Bildarchiv: Horst Jentsch, Gosenbach

Text: Horst Jentsch, Gosenbach.

Mächtige Gruben- und Hüttenanlagen wa­ren einst das äußere Wahrzeichen des Erz­berg­baues und des Hüttenwesens im Gosenbacher Tal. In der Blüte zählte der Bergbau zu den bedeu­tendsten Zen­tren bergmännischen Schaffens in ganz Deutschland. Längst sind die Signale an den Schäch­ten und das "Glück auf" der Bergleute verklungen, die Förde­rung ist seit langen Jahren Vergangenheit.

Was blieb, ist die Erinnerung an die große bergbauhistori­sche Vergan­genheit dieses einst berühmten Reviers. Der Name Gosen­bach ist ein fes­selndes Kapitel in der Geschichte des Siegerländer Bergbaues.

Nicht nur Eisenerz, sondern vor allem auch Kupfererz und das damals gesuchte Kobalt wurden er­schürft.

Zuerst im Tagebau, spä­ter dann im Stollenbau drangen unsere Vorfah­ren zu den Schätzen der Gosenbacher Berge vor. Grube ent­stand neben Grube, Gewerk­schaft neben Gewerk­schaft. Der Reichtum dieses Reviers schien uner­schöpflich zu sein. Als dann die Technik den Bergleuten noch die nötigen Hilfsmit­tel an die Hand

gab, setzte der Tiefbau ein und es tauchten im Landschaftsbild des Gosenbacher Ta­les die großen För­der­türme auf. Aus der Vielzahl der Bergbauunternehmen dieses Reviers gewannen mit den Gruben Ho­nigsmund-Hamberg, Alte Lurzenbach, Kupferkaute, Grüner Löwe und nicht zuletzt die größte von allen,

Storch & Schöneberg, überra­gende Bedeutung.

Neben den anderen Gruben entwickelte sich die­ses Werk zur größten Eisensteingrube Deutsch­lands.

Später gingen nach und nach alle anderen Gosen­bacher Gruben in diese Gewerkschaft ein, und es entstand ein Bergbauriese, der das Zentrum des damaligen Siegerlän­der Bergbaues bildete und mit 1.200 Meter Schachtteufe die größte Spatei­senteingrube Eu­ropas wurde.

Die im Revier geförderten Erze wurden bis weit in das 19. Jahrhundert größtenteils auch in Hütten im Gosenbacher Tal verhüttet. So waren die Gosenbacher Hütte (Eisenhütte), die Kupferhütte und auch das

Kobalt-Poch­werk bekannte Montanbetriebe.

Nun ist über die Sohlen das Wasser ge­stiegen und füllt das ganze Labyrinth von Schäch­ten, Stollen und Gängen. Im Innern des Berges ist alles in tiefes Schweigen gehüllt. Alles berg­bauliche Leben ist er­loschen.

Wo Jahrhunderte hindurch unge­heure Mengen "gebergt" wurden, wurde das Ende erreicht.

Auch auf den Hütten ist schon längst das Feuer erloschen, die Wasserräder und die ho­hen Kamine längst abgebrochen.

Schweigen liegt nun über den Gruben­feldern und auf den alten Gruben- und Hüttenplät­zen haben sich wieder neue Betriebe angesiedelt.

Die Fauna hat sich von den Schäden der Schwe­felgase der Rostöfen wieder erholt. Die Gruben- und Hütten­bauten sind längst abgebrochen, das Kapitel des Gosen­bacher Berg­baues wurde been­det.

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Das ehemalige Verwaltungsgebäude mit den beiden Fördertürmen.

Die Aufbereitung: Bevor das Erz mit der Grubenbahn nach Niederschelden gefahren wurde, hatte man es in die Rostöfen geworfen.

 

Bereits im Jahre 1862 wurden die ersten zwei Rostöfen auf der Grube Storch & Schöne­berg errichtet.

Diese Investition wurde durch die zunehmende Gewinnung des Spateisensteines erfor­derlich.

Die Öfen wurden von Johannes Holdinghausen (1825 - 1904) aus Achenbach erstellt.

Reste dieser ersten, aus Bruchsteinen und Ziegeln gemauerten Rostöfen sind noch heute auf dem ehemaligen Grubengelände sichtbar. (Gegenüber dem EDEKA-Markt, rechts der Einfahrt der Straße zum "Honigsmund", hinter einer Reklametafel versteckt!)

Die rasch zunehmende Förderung der Grube nach dem Einsetzen des Tiefbaues in den 60er Jahren des vorigen Jahr­hunderts machte die Errichtung von weiteren Rostöfen erforderlich. Um das Jahr 1900 hatte die Grube und Hütte bereits 45 Rostöfen in Betrieb.

So befanden sich 31 auf dem Grubengelände, 10 auf dem Gosenbacher Hüttenplatz und 4 weitere in der Nähe des Bahnhofs in Nie­derschelden. Diese Öfen wurden im Jahre 1890 von den Geisweider Eisenwerken erworben.

In späteren Jahren wurden noch weitere 7 Rostöfen in Betrieb genommen.

Vor dem Aufstellen der modernen, größeren, runden mit Eisenblech umkleideten Rost­öfen, den so genannten Mantelöfen, waren es aus Bruchsteinen oder Ziegeln gemauerte vier- oder rechteckige Öfen mit offener Gicht und Koksbeschickung.

Schädliche Wirkung durch Rostöfen

Immer mehr machte sich der schädliche Einfluss der Röstgase durch die zuneh­mende Zahl der Rostöfen bemerkbar. Nägel, Dachhaken, Dachrinnen und Rohre, sogar der Verputz der Außenwände der Häuser wurden von den Rostgasen zer­fressen. In den Gärten ver­dorrte das Gemüse und die Bäume starben ab, es ent­standen schwarze Kahlflächen am Berghang des Rotenberges, sogar die Saaten konnten von den Röstgasen rotbraun wer­den. Das Gosenbacher Tal war das am stärksten durch den außerordentlichen SO2-Ausstoß belastete Tal im ganzen Siegerland. Die Wahrnehmungsschwelle von 2,7 mg SO2/cbm Luft wurde weit überschritten.

Bereits im Jahre 1881 wollte die Arnsberger Regierung keine weitere Rostöfen für Gosenbach mehr genehmigen.

Das Bahnpersonal. Aufnahme von 1919.

Die schlechten Transportverhältnisse - bis zum Jahre 1870 wurde die Förderung mit Pferdefuhr­werken zum Versand gebracht - ver­anlasste die Gewerkschaft Storch & Schö­neberg eine Schmal­spurbahn mit 1 m Spurweite anzulegen. Sie wurde im Jahr 1871 bis zum Bahnhof in Niederschelden (zur "Stürze") fertig ge­stellt.

Diese metrische Grubenbahn hatte eine Länge von 2,5 km. Sie hatte ein natürliches Gefälle, so dass die schweren Erzwagen von Gosenbach nach Niederschelden von selbst rollten und nur die leeren Wagen von Pferdegespannen zurück gebracht werden mussten.

Bergleute bei der Arbeit.

Die Kumpels von der 21. Sohle. Aufnahme von 1936.

Gosenbacher und Oberschelder Bergleute. Aufnahme von 1936.

Belegschaftsfoto von 1894.

 

Arbeitsbedingungen:

 

Um das Jahr 1883 waren im Gosenbacher Tal rund 1.800 Arbeiter in den Gruben und Hüt­ten tätig.

Nur ein gerin­ger Teil (ca. 100 dieser Arbeiter) waren Gosenba­cher Bürger. Der weitaus größere Teil kam von auswärts und musste entweder sich in Go­senbach und Umge­bung ein Quartier nehmen oder täglich zum Arbeitsplatz pendeln. Für die Auswärtigen standen Unterkünfte (Menagen) der Gruben zur Verfügung oder sie nahmen bei anderen Bergleuten Unter­kunft.

Diese "Wasserköstler" (so genannt, weil ihnen außer der Unterkunft nur noch war­mes Wasser für den Morgenkaffee gewährt wurde!) blieben die Werktage in Gosenbach und waren das kurze Wo­chenende bei ihren Familien. Sie kamen aus dem Westerwald oder dem Wittgen­steiner Land. Sparsam mußten sie le­ben,

um am Lohntag auch eine kleine Summe Geld nach Hause bringen zu kön­nen, wovon die nicht klei­nen Familien le­ben mußten. Diese Bergleute ver­pfleg­ten sich selbst von dem Mit­gebrachten von zu Hause.

So sah man sie mit prall ge­füllten Rucksäcken je­den Montag morgen vom Nie­derschelder Bahnhof nach Go­senbach mar­schieren. Sie zahlten dem Ver­mieter pro Nacht zwischen 30 bis 40 Pfennig.

Andere Bergleute erreichten den Arbeits­platz täglich, nach langem Fußmarsch.

Es erscheint heute fast unfassbar, daß die Berg­leute aus dem so genannten "Strauchbauernland", aus den Orten Nie­derndorf, Ober- und Nieder­fischbach, dem Häus­lingsgrund oder auch "Bäsemsgrund", ja selbst aus dem Wendener Land täglich bis zu 6 Stunden Fußweg bewältigen muss­ten. Da die Straßenbenut­zung manchen Um­weg ge­bracht hätte, ging man einfach ge­rade durch Feld und Wald. So traten sich mit der Zeit fe­ste Pfade, die so genannten Bergmannspfade. Heute sind diese Pfade längst wieder ver­wachsen und nur der Kundige kann noch den Ver­lauf die­ser mit vielen Erinnerungen gepflasterten Wege erkennen.

Silikose, eine Berufskrankheit

1789 schreibt Johann Philipp Becher über die Lebenserwartung der Bergleute im Sieger­land:

 

" ... es gibt viele Witwen in den Dörfern. Ihre Männer sind aber nicht auf den Gruben geblieben, sondern sie sind meistens eines langsamen Todes gestorben, welchen ihnen eine Art von Auszehrung in den besten Jahren bereitet. Ich habe oft nach einem kurzen Aufenthalt vor Orten, wo gebohrt und auf dem Stahlstein gearbeitet ward, einen merklichen Staub in der Nase und dem Munde gespürt, welchen natürlicherweise der Bergmann eine ganze Schicht einschluckt. Sollte wohl hierin der Grund zu der verder­ben seiner Lunge und der Anlaß des ganzen Übels liegen?"

Zu dieser Zeit war die Geißel der Bergleute, die Silikose noch nicht bekannt und unter­sucht. So konnte die Silikose noch weiter die Bergleute im besten Mannesalter dahin raf­fen. Obwohl bekannt war, dass die Väter von schwerer Krankheit gezeichnet waren, nahmen auch die Söhne den Bergmannsberuf.

Der Grund war in unserer Region die Mo­nostruktur unser Wirtschaft zu sehen, denn zur damaligen Zeit waren außer Gruben und Hütten kaum andere Wirtschaftszweige relevant.

Der frühe Tod des Vaters, des Ernährers brachte oft große Armut über die Familien, so dass die Kinder zur Ernährung der Familie beitragen mussten. Sie mussten kräftig auf dem Feld und dem Hauberg mitarbeiten. Sogar Kinderarbeit auf dem Gruben gehörte zum Alltag.

Besuche auf Grube Storch & Schöneberg

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts er­langte für die Wilhelminische Regie­rung in Berlin der Sie­gerländer Erzbergbau solche Bedeutung, dass selbst hohe Regie­rungsbe­amte diese riesigen Erzgänge begutachten mussten. So kamen im Jahre 1896 Herren des preußi­schen Innenministeriums zur Ein­fahrt auf

Storch & Schöneberg, um sich vom Reich­tum der Gänge zu über­zeu­gen. Dies war wohl der be­deutendste Be­such für das Berg­baudorf Go­senbach. Wollte es doch schon was heißen, dass in der Kaiserzeit sich so hohen Beamte in ein abgelegenes Dorf be­mühten - und das bei den damaligen Ver­kehrsverhältnissen.

Im Oktober 1924 weilte wieder hoher Be­such auf Storch & Schöneberg: Kein ge­ringe­rer als der Seeteufel, Graf Felix von Luckner, befuhr die Grube.

Noch viele hohe Persönlichkeiten waren Gäste des Bergwerkes.

Eines Tages im Jahre 1921 brach große Be­triebsamkeit auf der Grube aus und man hörte den Gruß: "Heia Safari". Dies war der Kampfruf der Deutschen Schutztruppe in Afrika und sein Kommandeur, General von Lettow-Vorbeck kam zur Einfahrt.

Besuch auf Storch & Schöneberg.

Aufnahme von 1916. Der Gosenbacher Maschinen Steiger Albert Knipp (vorne links) mit Besucherpersonal.

Gosenbacher Hütte

Auf der Hütte wurde zum größten Teil Spiegeleisen erzeugt. Die Verwendung des Spa­tei­sensteines der Grube Storch & Schöneberg brachte einen Mangan­ge­halt im Eisen von 10 - 12 % ohne Zusatz fremder Manganerze.

Es bestand eine Bestimmung, wonach die Hütte immer den besten Eisenstein be­kam. Vom Hüttenmeister Roth wurde dieses sehr genau kontrolliert und als er einmal dem För­derauf­seher Vorhaltungen machte, erwiderte dieser: "Ja, wenn ech dir Stoahl lewern, da kasst Du waohl Ise mache."

Belegschaft der Gosenbacher Hütte während der Stilllegung im Jahre 1927.

 

 

...... bis 1908 hatte der alte, wuchtige vierkantige aus Bruchsteinen ge­mauerte Hochofen seine Dienste getan.

In den Jahren 1909 bis 1910 wurde die Hütte nochmals umgebaut, ein neuer größerer Ofen wurde errichtet.

Den feierlichen Akt des Anblasens des neuen Ofens nahm die Braut des damaligen Bergassessors Walter Siebel, eine Tochter des Berghauptmanns Vogel, vor.

 

Die Siegener Zeitung schrieb dazu:

 

Gosenbach, 11. Januar 1910.

 

Heute Vormittag wurde das neue Hochofenwerk von Storch & Schöneberg in Betrieb genommen und vor Frl. Vogel, der Braut des Herrn Bergassessors Siebel aus Kirchen, bei dem wichtigen Akte das erste Feuer entzündet. Bald kündigten dicke Rauchwolken aus dem neuen Ofen an, daß das lang schon fertige Werk nunmehr seiner Bestimmung übergeben sei. Glück auf! dem neuen Betriebe.

 

Der neue Ofen, wesentlich leistungsfähiger als sein Vorgänger, wurde mit 4 modernen Co­wpern für die Winderhitzung ausgerü­stet. Seine tägliche Pro­duktion erreicht ca. 70 t Rohei­sen, etwa dop­pelt so viel wie sein Vorgänger. Beim Bau des neuen Ofens kam es mit einem Gosenbacher Bürger zum Rechtsstreit. Die Gewerkschaft Storch & Schöneberg hatte beim Bau übersehen, daß der Ofen auch auf einen Grundstücksteil (ca. 64 qm) gebaut war, das noch im Besitz dieses Bürgers war. Er forderte eine Abfindung von RM 128.000,- oder den Abriß des Ofens. Es kam zum Pro­zeß, der endlich vom Oberlandesgericht entschieden wurde.

Hier wurde der Wert des Grundstücks am RM 500,- festgestellt und die Gewerkschaft Storch & Schöneberg verurteilt, jährlich entsprechende Zinszahlungen zu leisten.

Geleitet wurde die Hütte zuletzt vom Hüttenmeister Roth aus Gosenbach.

Die Hütte wurde im Jahre 1924 vorübergehend stillgelegt. Im Jahre 1926 wurde sie noch­mals kurz in Betrieb gesetzt, musste aber 1927 endgültig ihren Betrieb einstellen und wurde später abgebrochen.

Mit der Hütte aufs engste verbunden war der Steinmesser Johannes Utsch. Er war der Beamte, der nach der Menge des geförderten Eisensteins die Hüttentage errechnete und damit den Gewerken ihren Anteil festsetzte. „Staimessersch“ Johann wurde er genannt, und dieser Hausname - gleichzeitig zur Unterscheidung von den übrigen vielen Utsch-Familien, vererbte sich dann auch auf seine Nachkommen und ist heute noch geläufig.

Die Hütte stand unterhalb vom Gasthof Lange, heute stehen dort die Werkshallen der Firma Marburger & Co.

Der Gosenbacher Ortsteil Richtung Niederschelden zu heißt heute noch "Auf der Hütte".

Stillegung Grube Storch & Schöneberg

Am 30. Januar 1942 wurde am "Storch" die letzte Förderschicht gefahren.

Einen Tag später, am Samstag den 31.01.1942 ver­sammelte sich die noch ver­bliebene Bel­eg­schaft im Gefolgschaftshaus zum Abschiednehmen. Im Kompressoren-Raum der Grube, auch als "Westfalen-Halle" bezeichnet, hörten die Berg­leute die Abschiedsrede des letzten Gruben­chefs,

Bergas­sessor Dresler aus Ei­ser­feld.

Als Gäste nahmen an dieser Feier u.a. teil:

 

der Erste Bergrat von Reinbrecht aus Sie­gen und der letzte Obersteiger der Grube, der Bergverwalter Friedrich Wilhelm Hoff­mann, der als der "Lurzemer Frieder" in die Go­senbacher Bergbau­geschichte einging, wei­ter die Steiger a.D. Tillman Bäumer und Karl Schmidt und die letzten aktiven Grubenbeamten, Obersteiger Fritz Ebener als Betriebs­führer und die Stei­ger A. Utsch, F. Schütz, D. Nöll, E. Solms, K. Schmidt und P. Hart­mann.

Dresler bezeichnete in seiner Rede die Grube Storch & Schöneberg als den "König der Sieger­länder Gru­ben". Aus ihr wurden neben Kupfer- und Kobalterzen mehr als 16.000.000 Tonnen Ei­senstein gefördert.

Die Grube erreichte mit 1.156 m ihre größte Teufe. Um die Jahrhundertwende waren auf der Grube mehr als 2.000 Bergleute beschäftigt, die höchste Belegschaftszahl in der Geschichte der Grube!

Erneute Erzgewinnung nach der Stilllegung

Als nach der Währungsreform sich allmäh­lich der wirtschaftliche Aufschwung in der Bun­desrepu­blik abzeichnete wurden Rohstoffe, ganz gleich welcher Art, wie­der gefragt. So versuchte man auch in Go­senbach, wie an anderen Siegerländer Or­ten, leicht zugäng­liche Stollen wieder aufzu­wältigen und die alten Halden nach Eisenstein zu durchforsten.

 

 

Grube Schöneberg

 

Auf der Halde des Schöneberges waren u. a. Anna Pietschmann und Walter Schnei­der aus Oberschel­den tätig. Es wurde hier noch Erz gefunden, das dann mit der Bahn nach Dortmund zur Westfalen-Hütte ge­schickt wurde.

Außerdem soll im Bereich des Sandloches eine Spateisensteinader angestanden ha­ben, die durch die Firma Becker u. Ley aus Obersdorf abgebaut wurde. Es soll einigen Beobachtern damals aufge­fallen sein, dass das Erz im unteren Teil der Wa­gen et­was schlechter gewesen wäre, als das oben auf­liegende.

 

 

Stollen Hohe Aussicht

 

Im Stollen (Kalberhard) wurde ein Schacht abge­teuft und einige Aufschlußarbei­ten getä­tigt.

 

 

Große Pinge am Hirsch

 

Die in dieser Pinge noch anstehenden Erz­reste wurden durch die Gosenbacher Frie­dolin Meng, Karl-Fried und Ernst Latsch (Krupp) abgebaut.

Zum Überwinden der hohen Felswand in Richtung Lurzenbach wurden alte Feldbahn­schie­nen steil in die Tiefe gelegt. Das Erz wurde dann mittels Wagen, die mit ei­nem Lanz-Bull­dog in die Höhe gezogen.

Das tiefe Blubbern des Glühzünders des alten Trak­tors hörte man im ganzen Dorf.

 

 

Stollen Schwarzer Adler

 

Im Stollen des Schwarzen Adlers (liegt direkt über dem Schacht vom Honigsmund) war der in Go­senbach wohnende Friedrich Bäcker mit zwei sei­ner Söhnen tätig.

Der hier noch anstehende Eisenglanz hatte einen sehr hohen Erzgehalt (bis zu 70 %) und gehörte zu den hochwertigsten Erzen.

Die Abbau dieser Grube lagen teilweise im Be­reich der großen Pinge, die später dann als Müllkippe ge­nutzt wurde. Das Stollenende konnte man früher noch in hal­ber Höhe der rund 30 m hohen Felswand se­hen.

Ein anderes Loch in der Wand, etwas links vom vorigen Stollenausgang, gehörte ei­nem weiteren Stollen,

der ca. 100 m vom Schwarzen Adler et­was tiefer an­gesetzt war.

Beide Stollenenden wurden dadurch in der Wand sichtbar, da diese große Pinge nur zur Gewin­nung von Bergematerial zum Ver­füllen der aus­geerzten Abbaue von Storch & Schöneberg ange­legt wurde und die alten Abbaustrecken vom Schwarzen Adler schnitt.

 

 

Grube Alter Mann

 

Am Alten Mann war die Gosenbacher Eduard Hart­mann mit seinen Söhnen tätig. In al­ter Zeit, als hier Kobalt abgebaut wurde, war doch eini­ges an Braun- und Spateisen­stein auf die Halde gekippt worden.

Diese Erze wurden in Handar­beit geborgen und durch ein ca. 5 m langes Rohr in den Transport- Lkw geworfen.

Die Fahrer waren nicht sehr erbaut von dieser Verlademe­thode, denn die aus der großen Höhe fallenden Erz­broc­ken richteten doch ei­nige Schäden am Fahrzeug an.

Nachdem die Erzvorräte der Halde zur Neige gin­gen, versuchte man durch Spren­gen der westli­chen Pingenwand wieder an die Erzader zu gelan­gen, bzw. die Fort­setzung zu fin­den.

Beim Schießen löste sich jedoch die ganze Wand und legt sich auf den hier zu Tage ge­hen­den Luftschacht des Grünen Löwen Stollen. Erz war aber leider keines mehr zu fin­den. Die­ses veranlaßte Hartmann zu der Bemer­kung: "Wo die Aale abrehoart ha, bruche mr net mr az­fänge".

Es wurde dann versucht, den Stollen auf­zuwältigen. Dies stellte sich jedoch als zu auf­wen­dig heraus.

Der Stein war zu brüchig, so daß ein kostspieliger kom­pletter Ausbau hätte er­folgen müssen.

Nachlese Bergbau in Gosenbach nach der Stilllegung der

Grube Storch & Schöneberg.

Grube Jungfrau

 

Nur etwa 70 m vom Alten Mann in südwest­licher Richtung befindet sich die Grube Jung­frau.

In der heute noch vorhandenen Pinge war der Gosen­bacher Hufschmied Otto Utsch (Steinmesser) tätig.

Es wurden nur einige Meter des Stollens aufge­wältigt, welcher zum Schacht führt. Die Erz­aus­beute war sehr gering, der Spat war hier sehr verquarzt.

 

 

Grube Grüner Löwe

 

Die beiden Gosenbacher Otto Utsch und Paul Henß beabsichtigten im hinteren Teil der Pinge am Grünen Löwen den Stollen der Grube Enkeler auf­zu­wältigen. Er wurde wie­der ausgebaut und mit Stützen, die dem Lackgrafs Stollen entnommen wurden, abge­stützt. Dieser Stollen wurde um Volksmund auch der "Brüderbund" (weil hier die "Dicken Strunks" arbeiteten) genannt. Ei­gentlich war er der Eisengarten Stollen, der nach rund 40 m an einem Schacht en­dete, der in der Tiefe mit Wasser gefüllt war.

Auch diese nicht sehr ergiebige Erzgewin­nung hatte ein schnelles Ende.

Eines Tages hört Paul Henß ein feines Knistern im Gebirge. Dies kam einen so er­fahre­nen Berg­mann recht bekannt vor. Er alarmierte sofort alle im Berg tätigen. Kurze Zeit danach brach dann ein großer Teil der südlichen Pingenwand los und legt sich vor den Stollen. Die­sen Felsen­sturz kann man heute noch sehen.

 

 

Der Schlammpol

 

Eine andere Art der Erzgewinnung bot der Klärschlamm, welcher durch die nasse Auf­be­rei­tung im "Glück auf" entstanden war. Dieser war in Klärteichen (im Sprachge­brauch nur "Schlammpol" genannt), die ge­genüber dem Hotel Lange lagen abgesetzt. Dieser Schlamm wurde mit einer eigenen Seilbahn bis zur rund 200 m Pinge (hinter der Kirche) transpor­tiert, wo er dann austrocknete. Wegen des sehr hohen Eisen- und Manganan­teils eignete er sich beson­ders gut zum Verhütten. Er wurde von Hand verlesen und ver­la­den. Heute ist die Pinge noch nicht verfüllt.

Gangkarte von Gosenbach angefertigt im Jahr 1906 im Maßstab 1:10.000.

Die Mineralisation in Gosenbach

Aus der Betriebszeit der Gosenbacher Gru­ben ist über das Auftreten der verschie­denen Minerale wenig bekannt. Die Ursa­chen sind vielfältig. Zum einen ist die Häufigkeit auf den Haupterz­gängen ver­hältnismäßig gering und zum anderen be­sa­ßen die Gosenbacher Erzgänge einen schwach ausgeprägten "Eisernen Hut",

in dem sich die Sekundärmine­rale bilden konnten.

Ein weiteres Hemmnis war auch die Ein­stellung der Grubenleitung zum "Mineralienbergen". Sie untersagte den Bergleuten schöne Stufen zeitraubend zu bergen, denn auf dem "Storch" mussten "Tonnen gemacht" werden. Karl We­ber er­zählte ein­mal, dass auf der Strecke vom Storch zur Lurzenbach eine auskristalli­sierte Kluft ange­schossen wurde. Bevor die Bergleute etwas retten konnten hatte der Steiger schon eine neue Sprengladung angebracht und gezündet, so dass fast al­les zerstört war. Kristallreste konnten am Leseband von den "Erzengeln" teil­weise gesichert werden. Gerhard Affler­bach aus Niederschelden hat aus diesem Fund später noch einen Kristall erwerben kön­nen.

Ganz anders verhielt man sich auf anderen Sie­gerländer Gruben, hier vor allem im Her­dorfer- und Biersdorfer Revier. Vom Füsseberg ist über­liefert, dass hier beim Anschießen einer Kluft mit Mineralienfül­lung die Bergleute mit Freu­denaus­bruch reagierten.

Aber glücklicherweise gab es im Gosenba­cher Re­vier auch Randzonen, auf wel­chen die Förderung an Spateisenstein gering, die Mineralienausbil­dung aber um so stär­ker war. Im besonderen wa­ren es die obe­ren Sohlen der Grube Grüner Löwe und Schmiedeberg sowie Alter Mann und Kupferkaute.

Im Gosenbacher Revier waren folgende Mi­neralien überall verbreitet: Spateisen (Siderit), Pyrit, Kupferkies, Goethit, Bergkristall. Bleiglanz war äußerst sel­ten. Ei­ne Stufe mit Bleiglanz in Würfeln von ca. 2 cm Kantenlänge von der Grube Storch ist bekannt.

Auf der Grube Grüner Löwe konnten weiter nach­gewiesen werden: Kobalt­blüte, Blei­glanz, Rot­gültig Erz, Bournonit, Nickel­blüte, Polybasit, Zinkblende, Ullmannit, Ste­phanit, Siegenit, stengeliger Pyrit (nickelhaltig).

Wenn man den Gangzug weiter nach Osten verfolgt so kommt man zur Grube Alter Mann. Diese Grube konsolidierte aus meh­reren kleinen Gruben, so u.a. der Jungfrau. Hier konnte der bekannte Mi­neraloge Prof. Ullmann den Nicke­lantimonglanz als eigen­ständiges Mineral bestimmen. Es wurde nach seinem Tode ihm zu Ehren als "Ullmannit" benannt. In letzter Zeit konnte auf der Halde vom Grünen Löwen Ullmannit in idealer Kristallform geborgen werden. Ferner hat die Grube Alter Mann einige her­vorragende Stufen Malachit hervorgebracht. Weiter sind aus dieser Grube beson­ders zu erwäh­nen: Cuprit, Langit, Pharmakosiderit,

Sko­rodit, Goethit, Brochantit, Olivenit, Manganit.

Auf der Spitze Rothenberges befand sich die ehemalige Grube Sophie, welche ei­ne ähnli­che Kristallbildung wie die Grube Alter Mann auf­weist. Als Besonder­heit dieser Grube sind die Arsenate, die auch überregional wegen ihrer guten Aus­bildung selten sind, zu erwähnen: Sko­rodit, Phar­makosiderit, Olivenit, Arthurit, Cornwal­lit, Chalkophyllit u.a......

Pingen auf der Bergspitze am Rothenberg. Diese Pingen gehörten zu der kleinen Kobaltgrube Sophie.

Hier fand man seltene Mineralien wie Arthurit, Olivenit und Skorodit u.a.

..... Die der Grube Storch & Schöneberg nach Westen anschließende Grube Kupferkaute zeigt als Son­derheiten: Kupferkies, Gers­dorffit, Bergkristall, Bleiglanz, Fahlerz, Feder­erz, schwarze Zinkblende, Rotgültig Erz, Silberschwärze und Polybasit.

 

Im Bereich der Gruben Lurzenbach und Schmiedeberg trat immer stär­ker der Eisen­glanz hervor, welcher teilweise erst in größerer Tiefe in Spateisenstein über­ging. Es konnten schöne "Eisenrosen" ge­borgen werden.

 

Weiter nach Oberschelden zu, tritt neben dem Eisenglanz auch öfters Pyrolusit in schö­nen Kristallen auf. Weitere festge­stellt Minerale: Buntkupfer (Bornit), Cu­prit, Malachit, Langit, Kupferglanz, ged. Kupfer, Glaskopf, Delafossit. Diese Mine­rale wurden nahe dem Euler Schacht gefun­den, dessen Halde beim Bau des Super­mark­tes "EDEKA" an­geschoben wurde. Diese Beson­derheit ist darin begründet, dass zur Zeit der Abteufung vom Neuen Schacht kurzfristig das Mittel Schmiedeberg über den Euler Schacht ge­fördert wurde.

Pingen am Schmiedeberg. Hier fand man vorwiegen Brauneisenstein und Eisenglanz.

Weiter unterhalb der Pingen befand sich das Stollenmundloch der Grube Schmiedeberg.

Heute ist es mit Ziegelsteinen zugemauert. Nur Fledermäuse haben durch ein kleines Loch Zugang.

Blick vom Schmiedeberg auf den Ortskern Gosenbach wo einst die Grube Storch & Schöneberg war.

Am rechten Bildrand befand sich die Grube Alte Lurzenbach. Bildmitte am Berghang Rothenberg die Gruben Grüner Löwe, Alter Mann und Sophie.

Die Mineralien

Chalkopyrit auf Siderit. Grube Storch & Schöneberg. Bildbreite: 4,5 mm. Sammlung: Markus Henrich, Kirchen.

Millerit auf Siderit. Grube Grüner Löwe. Bildbreite: 3,6 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Gediegenes Kupfer neben Cuprit und Malachit. Grube Schmiedeberg. Bildbreite: 2,5 mm.

Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Erythrin auf Siderit. Grube Grüner Löwe. Bildbreite: 4,5 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Chalkoalumit auf Brauneisenstein. Grube Sophie. Bildbreite: 7,7 mm.

Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Rhodochrosit auf Limonit. Grube Alter Mann. Bildbreite: 1,2 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen

Carrollit. Grube Alte Lurzenbach. Bildbreite: 2,4 mm. Sammlung: Markus Henrich, Kirchen.

Rhodochrosit auf Limonit und Quarz. Grube Storch & Schöneberg. Bildbreite: 5 mm.

Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Hämatit auf Limonit. Grube Schmiedeberg. Bildbreite: 2,5 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Devillin. Grube Grüner Löwe. Bildbreite: 2,6 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Pyrit auf Siderit. Grube Neue Kupferkaute. Bildbreite: 2,4 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Arthurit auf Limonit. Grube Sophie. Bildbreite: 4 mm. Sammlung: Gerd Helsper, Gosenbach.

Aragonit auf Hämatit. Grube Storch & Schöneberg. Bildbreite: 2,6 mm.

Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Reichenbachit auf Limonit. Grube Alte Kupferkaute. Bildbreite: 3,6 mm. Sammlung: Markus Henrich, Kirchen.

Skorodit auf Limonit. Grube Sophie. Bildbreite: 2,4 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Delafossit auf Limonit. Grube Schmiedeberg. Bildbreite: 5,5 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Bismuthinit auf Chalkopyrit. Grube Neue Kupferkaute. Bildbreite: 1,8 mm.

Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Wittichenit auf Quarz. Grube Alte Lurzenbach. Bildbreite: 2,4 mm. Sammlung: Markus Henrich, Kirchen.

Pharmakosiderit auf Limonit. Grube Sophie. Bildbreite: 3 mm. Sammlung: Gerd Helsper, Gosenbach.

Malachit auf Cornwallit. Grube Sophie. Bildbreite: 2 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Olivenit Kristallrasen auf Quarz. Grube Alter Mann. Bildbreite: 2,5 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Lepidokrokit in Limonitdruse. Grube Alter Mann. Bildbreite: 1,5 mm. Sammlung: Matthias Reinhardt, Drolshagen.

Cuprit auf Malachit. Grube Alter Mann. Bildbreite: 2 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Chalkopyrit auf Dolomit. Grube Storch & Schöneberg. Bildbreite: 34,5 mm. Sammlung: Josef Dreier, Herdorf.

Ullmannit auf Chalkopyrit. Grube Grüner Löwe. Bildbreite: 4 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Pyrargyrit auf Siderit. Grube Grüner Löwe. Bildbreite: 2 mm. Sammlung: Tim Overkott, Siegen.

Calcit. Grube Storch & Schöneberg. Stufengröße: 11 x 10 cm. Sammlung: Josef Dreier, Herdorf.

Pyrit auf Dolomit. Grube Storch & Schöneberg. Stufengröße: 12 x 8 cm. Sammlung: Josef Dreier, Herdorf.

Chalkopyrit auf Dolomit. Grube Storch & Schöneberg. Stufengröße: 15 x 13 cm.

Sammlung: Josef Dreier, Herdorf.

Calcit. Grube Storch & Schöneberg. Stufengröße: 10 x 7 cm. Sammlung: Josef Dreier, Herdorf.

Sammlerportrait

​​

Gerd Helsper – mit den Mineralien verbunden

Text von Markus Henrich, Kirchen

Unser Sammlerportrait geht diesmal ins millimeterkleine Detail und widmet sich dem Sammeln von Kleinstmineralien. Wir stellen Gerd Helsper aus Siegen-Gosenbach vor, der sich schon frühzeitig dieser Mikrowunderwelt verschrieben hat.

 

Mikromounter der ersten Stunde

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hat das Sammeln von Klein- und Kleinstmineralien, die sogenannten Mikromounts, immer mehr Freunde gefunden. Ein Grund hierfür ist, dass die meisten deutschen Bergwerke als Quelle schöner Vitrinenstufen geschlossen worden sind. Zum anderen haben die Mikromineralien aber auch einen ganz besonderen Reiz, zeichnen sie sich doch durch ihre unversehrte und nicht selten vollkommene Ausbildung, ihre Vielfältigkeit und Seltenheit aus. Zudem gibt es Mineralien, die man im Großformat gar nicht kennt. Allerdings benötigt man spezielle Hilfsmittel, zum Beispiel eine Lupe oder – besser – ein Stereomikroskop, um die kleinen Schätze betrachten zu können. Da man die „Mikros“ auch schlecht in einer Vitrine publikumswirksam ausstellen kann, muss man andere Wege gehen, um seine Mineraliensammlung zu präsentieren.

 

Gerd Helsper, Jahrgang 1942 und gelernter Elektrotechniker, ging schon frühzeitig diese Wege und gehört zu den Pionieren des Sammelns und Fotografierens von Mikromineralien im Siegerland. Über Jahrzehnte hinweg galten seine Mineralienfotos zu dem Besten, was man in der Mikro-Fotografie zu sehen bekam.

Schon im Kindesalter war es zum ersten Kontakt mit Steinen und Mineralien gekommen.

In den 1950er-Jahren war vieles noch anders als heute, Naturkunde beispielsweise fand noch im Freien statt. „Das Interesse an Steinen, wir sprachen scherzhaft von ‚Knorren‘, wurde uns Schulkindern von unserem Lehrer, dem Heimatforscher Otto Krasa, eingeimpft. Wir mussten in der Natur Steine suchen, die dann besprochen wurden“, erinnert sich Gerd Helsper an diese eher zwanghafte Beziehung zur anorganischen Materie. Aber dennoch blieb ein gewisses Interesse an den Steinen für viele Jahre erhalten; sein Heimatdorf Gosenbach als ehemaliger Standort der Grube Storch & Schöneberg, eines der größten Siegerländer Bergwerke (vgl. MINERALIEN-Welt 4/2013), ist daran sicherlich nicht schuldlos.

Es dauerte jedoch noch bis zum Ende der 1960er-Jahre, ehe die Leidenschaft für die Mineralien richtig entfacht wurde. „Ich hatte das Glück, Herrn Dr. Hütter aus Netphen-Deuz kennen zu lernen, der damals schon eine Mikrosammlung besaß, die mich sofort begeisterte“, blickt Gerd Helsper zurück. „Dr. Hütter war ein Ästhet auf seine eigene Art. Er besuchte zum Beispiel die Halden der Gruben Marie, Neue Hoffnung oder Victoria und war glücklich, wenn er ein schönes Stüfchen gefunden hatte. Wenn ich heute an seine Art zu sammeln und seine Zufriedenheit zurückdenke, kann ich ihn nur darum beneiden.“ Angesteckt von Dr. Hütters Leidenschaft konnte sich auch Gerd Helspers Frau für die neue Freizeitbeschäftigung ihres Mannes begeistern. Ihr ist er besonders dankbar dafür, dass sie ihm die Geduld für sein mitunter zeitaufwändiges Hobby entgegen gebracht hat.

Gerd Helsper ist vielen auch als ein Sammler der „Extreme“ bekannt. Um an gutes, frisches Material zu kommen, war es notwendig, im Haldenmaterial zu graben. Hacke und Schaufel gehörten zu seinen wichtigsten Werkzeugen im Gelände. Auf der Halde angekommen, legte er gleich den Turbo ein und schaufelte sich in die Tiefe. Das Graben in den Halden ist allerdings bei den Grundbesitzern und Forstverwaltern oft auf wenig Gegenliebe gestoßen.

„Im Nachhinein stelle ich fest, dass das Sammeln selbst und das Kennenlernen von Gleichgesinnten mir mehr gebracht hat, als der anschließende Besitz“, resümiert Gerd Helsper heute und sagt weiter: „Nun kann man über den Wert einer Sammlung unterschiedlicher Meinung sein. Aber selbst Museen sind heute mit den kleinen Neufunden bestückt. Durch Analysen konnten zum Teil sehr seltene Minerale nachgewiesen werden, die in der bisherigen Literatur fehlen.“ Zu seinen „Lieblings-Fundstellen“ gehören die Gruben Victoria in Littfeld, Fischbacherwerk und Concordia in Niederfischbach, Breimehl in Brachbach, Alte Mahlscheid in Herdorf und vor allem die Halden in der Umgebung seines Wohnorts Gosenbach. Aber auch außerhalb des Siegerlandes besuchte er die eine oder andere Fundstelle.

 

Die Kunst der Mikro-Fotografie

Gerd Helsper hat immer wieder in Sammler-Magazinen über seine Neufunde berichtet – fachlich versierte und interessante Beiträge, garniert mit hochwertigem Bildmaterial, wodurch seine Art des Sammelns auch in Fachkreisen eine große Wertstellung erhalten hat. Das Fotografieren von Mikromineralien ist zu seinem zweiten Steckenpferd geworden und hat ihn über die Grenzen des Siegerlandes hinaus bekannt gemacht.

„Da man die Mikromounts ohne Hilfsmittel nicht richtig sehen konnte, bot sich als Lösung das Fotografieren an; in den 70er-Jahren begann ich damit“, sagt Helsper, der zweifelsohne zu den Pionieren im Bereich der Fotografie von Kleinstmineralien gehört. Er hat viel ausprobiert bis hin zur 3D-Stereofotografie.

Später stieg er auf die Digitalfotografie um und befasste sich ebenso mit der Mehrebenen-Aufzeichnungstechnik. Den erneuten Sprung nach ganz vorne hat er aufgrund einer Parkinson-Erkrankung jedoch nicht mehr schaffen können. Die schlimme Krankheit hindert ihn, nun im Rentenalter angekommen, nicht nur am Fotografieren auf Spitzenniveau sondern auch am Sammeln selbst. Soweit es seine Gesundheit zulässt, widmet sich Gerd Helsper heute vor allem dem Betrachten und Katalogisieren seiner umfangreichen Sammlung – und ist dabei immer gerne bereit, diese auch anderen zu zeigen. Unzählige Dias, Digitalbilder und schubladenweise Kleinstufen, in Plastikkästchen fixiert, sind das Ergebnis seiner langen Sammlerkarriere. Jeder Besuch in seinem „Mineralien-Keller“ ist eine Bereicherung für Interessierte und Wissensdurstige – egal ob mineralogisch versiert oder Laie. Wir wünschen Gerd Helsper, dass sein Gesundheitszustand lange stabil bleiben wird, damit er sich noch eine Weile an seinen Mineralien und dem Kontakt mit Gleichgesinnten erfreuen kann.

Gerd Helsper ist am 08.09.2020 nach langer schwerer Krankheit im Alter von 79 Jahren verstorben.

Ein Foto aus dem Jahr 1985. Gerd Helsper

im Schmiedeberger Raubstollen.